Gustls und Luises Briefe – 2. Etappe St. Georgen

Sie hatten ja wahrscheinlich doch gehofft, dass es nach seiner Entlassung aus der Kaserne in Ingolstadt (die Briefe aus dieser Zeit sind hier: Gustls und Luises Briefe – 1. Etappe Ingolstadt) vorbei wäre für Gustl als Soldat, aber das hat nicht funktioniert. Im Februar 1940, gute drei Monate nach seiner nur temporären Entlassung ist er wieder eingezogen worden, stationiert in St. Georgen im Chiemgau, heute ein Ortsteil von Traunreut. Sie wissen jetzt schon ungefähr, wie es läuft, der Unterschied scheint mir zu sein, dass die Briefe länger werden. St. Georgen ist schlechter zu erreichen, so vermute ich, dass sie sich seltener sehen konnten, aber ich meine auch, dass sie anfangen, sich mit der Situation zu arrangieren und die Hoffnung auf ein schnelles Ende – sei es des Krieges, sei es Gustls Soldatentum – erstmal aufgegeben haben. Aber jetzt lasse ich sie mal selbst erzählen:

Obermenzing 9. II.40
Freitag 815 abends

Liebster Gustl!

Habe gestern deine lb. Karte und heute nachmittag deinen Koffer erhalten. Bin schon etwas erschrocken als dein Koffer mit deinen Kleidern kam, das ist ein Zeichen, daß du so schnell nicht wieder kommst. Bin nur froh, daß es dir sonst gut geht, hoffentlich ist es auch wirklich so, wie du schreibst. Vorgestern kam eine Einladung für dich ins Akadia für Samstag, habe den direkt angerufen und ihm mitgeteilt, daß du wieder fort bist. Er hatte mir gesagt, daß so viele schon wieder fort müssen. Weiß die Namen nicht mehr. Brandl und so verschiedene er mußte auch aufs Wehramt die meisten mußten wieder nach Ingolst. Dort soll es so überfüllt sein, daß der Platz zum Schlafen nicht mehr reicht. Die Stühle sind gekommen. Auch die 100 Paar Schuh 1 paar davon fehlt waren in der Schachtel nicht drin. Überschuhe sind 30 Paar dabei ziemlich schlechte Ware fast kein Verdienst. Preise sind schon vorgeschrieben. Arbeiterstiefel mit Gummisohle & oben Stolleinsatz. Überschuhe haben wir schon 5 paar verkauft, durch das schlechte Wetter ist viel Nachfrage & es muß nirgends welche geben. Nachmitt. bin ich drüben. Der Weg ist z. Zt. ganz schlimm man versinkt im Schneematsch. Das Schneewasser dringt durch die besten Schuhe. Aber sonst geht es schon. Die Leute sind sehr nett & kommen eben wenn es auf ist. Nun noch etwas ganz wichtiges. Herr Volz will sein Haus verkaufen & sich mit seiner Frau in ein Altersheim einkaufen. Er verlangt insgesamt 14000 Mk. Er will mir 2000 Mark Anzahlung das andere monatlich. Er hätte verschiedene Interessenten die auch sofort bar bezahlen würden aber das will er nicht er will Zinsen haben. Heute kann er es auch leicht anbringen, denn es ist doch die sicherste Anlage in so einer Zeit. Nun habe ich, sowie Lürtzing gemeint ob nicht wir es kaufen sollten? Er hat auch mit Ihm gesprochen. Er sagt er gäbe es niemand lieber als wie Lürtzing & will warten bis wir von dir einen Bescheid bekommen. Von Kronawitter eine Verwandte möchte es auch. Koch hat sich schon interessiert doch sie weiß nichts davon bis jetzt. Möchte sie nicht gern als Nachbarin haben und geschieht es wäre eine Wohnung für Konrad. Aber wie du halt darüber denkst. Auch Familie Frick will sich in ein Heim einkaufen. Was die mit Ihrem Haus machen weiß ich nicht. Es ist halt schlimm, daß du nicht da bist, denn in solchen Sachen kenne ich mich nicht aus. Lürtzing meint es wäre nicht viel für den großen Klotz & schwärmt schon von dem Garten. Das Haus ist glaube ich mit 6000 bewertet. Lürtzing meinte zuerst 14000 & 6000 für Haus aber es kostet im ganzen 14000. Hast du wohl Aussicht mit Samstag Urlaub & kannst du in der Nähe von Rosenheim bleiben? Habe so schrecklich Zeitlang nach dir. Will dir aber das Herz nicht schwer machen, wenn nur dir nichts fehlt, dann finde ich mich auch wieder darin. Herr Eck hat angerufen wegen Bestellung v. Sommerhaussch. Weiß nicht ob ich welche bestellen soll, denn mit Punkten werden wir nicht viel brauchen. Habe heute telef. bei Brügg. was bestellt doch können sie Textilw. vor dem 15. II. nicht expectieren, da eine Sonderbestellung wegen den Punkten betreffs Einkauf abzuwarten ist. Bei Holzner & W. bekomme ich keine Verbindung & probiere morgen nochmal. Heute war es im Geschäft sehr ruhig, die Leute haben alle keine Punkte mehr möchten April anschreiben lassen. Nähmittel sind noch nicht mitgekommen. Politisch gar nichts neues. Schließe nun in der Hoffnung, daß du recht bald kommen kannst & verbleibe deine dich liebende Luise mit 1000 Küssen & Grüßen

Sonst sind alle gesund & lassen dich ebenfalls herzlichst grüßen. Schreibe recht oft nun geht es mir wie Dir mit der Post


Sie beschreibt den Weg von Obermenzing nach Untermenzing, als müsste sie auf Feldwegen durch den Matsch stapfen. Ich bin überzeugt davon, dass schon in meiner Kindheit alle Straßen asphaltiert und alle Gehsteige, die damals natürlich noch Trottoir genannt wurden, gepflastert waren. Bis ich auf dieses Bild von meiner Kommunion stoße, wo man im Hintergrund erkennen kann, dass dem nicht so war:

Kommunions-Steffi mit Evi vor Fliederbüschen

Ich in meinem grauen Kommunionskostüm, das meine Mutter ausgewählt hatte, damit ich mich von den weißgekleideten, unschuldigen Mädchen abhebe, etwas irritiert von dem Arm, den meine Schwester Evi um mich gelegt hat, das war sonst nicht so ihre Art. Die Straße ist ein Flickenteppich aus Teer in verschiedenen Grautönen, der Gehweg Kies mit Pfützen und wir stehen direkt vor dem Gulli, dessen Leerung – einmal im Jahr? – ein großes, stinkendes Ereignis war. Es gab also bis in die 70er Jahre in Obermenzing weder ein Trottoir noch eine Kanalisation.

Samstag 845 10. II. 40

Liebster Gustl!

Eben deinen lb. Brief erhalten. Sehe daraus daß es dir soweit gut geht und bin sehr froh darüber. Selbstverständlich besuche ich dich sofort, wenn die Möglichkeit besteht. Heute schneit es schon wieder. Hoffentlich frierst du nicht. Peter ist immer noch nicht sauber. Otti zählt abends immer das Wechselgeld in die Kasse. Wenn es nur bald Schluß wäre mit dem schrecklichen Krieg. Solltest du sonst Wünsche haben, so teile es sofort mit. Vielleicht bekommst du doch Urlaub einmal. Marie muß einen Luftschutzkurs machen 3 Nachmittage aber es geht schon, denn es ist sehr ruhig das Geschäft. Vielleicht kommt dir die Luftveränderung was ich von Herzen wünsche. Bin immer mit meinen Gedanken bei dir. Was müßt ihr dort hinnehmen. Nun nichts Neues mehr und in Erwartung eines baldigen Wiedersehens grüßt & küßt dich deine Luise.


Sankt Georgen, den 11.II.40.
Sonntag Nachmittag 2 h

Liebste Luise!

Habe heute mittag Deinen lieben Brief erhalten du danke dir herzlich dafür. Ich habe Dir gleich einige Zeilen vorausgeschrieben, damit Du wegen dem Haus nicht so lange auf Nachricht warten mußt. Da Haus ist ja teuer genug, aber wegen der Geldanlage ist es immer besser, drum schaut nach Möglichkeit, daß die Anzahlung eine höhere ist, Sollte er im Preise garnicht heruntergehen, dann schaue, daß er die Verbriefungskosten trägt. Ebenso geht eine eventuelle Wertzuwachssteuer zu Lasten des Herrn Voltz. Das muß auf jeden Fall in der Verbriefung stehen. Solltest Du allein nicht zur Verbriefung gehen können, dann laß ich Dir eine von mir geschriebene und vom Kompanieführer bestätigte Vollmacht zugehen. Mit einem Urlaub sieht es ganz miserabel aus. Hier ist es so ähnlich wie beim Conrad, ständig Wache und zu wenig Leute. Wir müssen in einem großen Waldgebiet alle durchgehenden Straßen bewachen. Das geht folgender Weise vor sich. Die Wache beginnt mittag um 1 h, um ½ 1 h wird wegmarschiert zu einer der Wachbaracken im Walde, dann hat man alle 4 Stunden 2 Stunden Wache zu stehen, oder zu gehen (eine bestimmte Strecke, die hin- & zurück ja 2 Stunden dauert, so geht es von 1h mittag bis zum nächsten Tag mittag 1 h auch die ganze Nacht durch. Ich beginne jetzt um 5 h bis 7 h nachmittags, dann habe ich 4 Stunden Ruhe, dann von 11 h – 1 Uhr, dann ziehen wir wieder ab und haben wieder bis zum nächsten Tag mittags 1 h frei, das heißt, keine Wache. Da gibt es aber dann allerhand Arbeiten, Schuhe putzen, Gewehr reinigen, Kleidung sauber machen u. s. w. Daß die anderen alle eingezogen sind, dachte ich mir schon. Den Eierer haben sie wahrscheinlich nicht mehr geholt. Ich habe bis heute noch niemand geschrieben. Mußte mir das Papier erst zum schreiben betteln, weil man hier garnichts zu kaufen bekommt. Es sind schon Kantinen da aber die haben nur Bier, Rauchwaren, Wurst und Brot. Meine Uhr ist inzwischen schon kaputt gegangen. Sie ist mir, da ich ein oberes Bett habe, ziemlich unsanft hinunter geflogen, ist dann noch 12 Stunden gegangen, und dann wars aus. Ein Kamerad wohnt hier in der Umgebung, und der bringt sie zu einem Uhrmacher. Wir sind hier wie bei den Goldgräbern in Alaska, es gibt nur Holzbuden & Holzbaracken. Das Essen ist reichlich und gut. Die Portionen sind größer wie in Ingolstadt. und überhaupt fühlt man sich viel freier. Es geht alles nicht so streng herunter, um 7 h wird aufgestanden und bis 8 h gibt es den Kaffee der ist auch nicht anders wie in Ingolstadt aber durch die andere Umgebung schmeck er mir besser wie dort. Wenn wir auf Wache sind, holen wir uns bei den Bauern in der Frühe Milch (nicht abgerahmt) direckt von der Kuh. Die Gegend ist herrlich, von manchen Posten aus sieht man wunderbar ins Gebirge. Eine Ortschaft heißt Frühling und wie ich gestern auf Wache stand, war schon ein herrliches frühlingshaftes Wetter, ich hätte mir gewünscht, liebste Luise, daß Du dagewesen wärst bei mir und wir zwei ganz allein hier einen Spaziergang machen könnten. Mit dem besuchen ist es sehr schwer, da die Verbindung sehr schlecht ist und wir vorerst garnicht daran denken brauche, einen freien Tag zu bekommen. Es geht immer gleich Sonntag wie Werktag. Es sind wohl ein Tag, den man freihat, aber nur ein Nachmittag und der darauffolgende Vormittag und da kann man nicht viel anfangen, Noch dazu sind hier sehr viele Arbeiter, die aus allen Gegenden sind, teilweise bis aus Berlin und die hier in der Umgegend bei den Bauern wohnen. Die haben es sogar schlechter wie wir. Den ganzen Tag schwer arbeiten und nachts eine kalte Burg und um 7 h schon beim arbeiten. Die eine Nacht wo man Wache hat giebt es ja wenig Schlaf aber die folgende Nacht kann man ja wieder genügend schlafen. Ich bin ja sowieso nicht soviel Schlaf gewohnt. Gestern sind wir schon um 8 h ins Bett und heute morgen erst um 8 h aufgestanden. Liebe Luise, mache Dir also keine Sorgen, es geht mir nichts ab, höchstens ein kleines Kissen, wie gehabt und in der Woche einen Kuchen. Brot & Semmeln und Wurst gibt es genügend zu. Zucker habe ich bis heute auch noch nicht gebraucht. Daß das Geschäft ruhig ist, bin ich für Dich froh, dann hast Du wenigstens nicht soviel Arbeit. Wegen Handschuhe glaube ich, es ist am besten, einen kleinen Teil zu bestellen, etwas bekomme ich schon von eine Fa. die Pommer vertritt dann wenn man jetzt garnichts kauft, dann bekommt man eventuell später garnichts. Aber zuviel hat keinen Wert, denn wenn man mit Punkten einkaufen muß, dann ist es besser man nimmt die Punkte für wertvollere Sachen, vielleicht kannst Du auch warten, bis die neue Verordnung heraußen ist, schau, daß du den Eck noch etwas vertrösten kannst. Sage Ihm, Du hast mir geschrieben und noch keine Antwort. Drängt Euch aber dem Voltz nicht auf, das ist ein alter Gauner. Wenn auch Lürtzing denkt, daß er uns da Haus am liebsten giebt, so ist es nur deswegen, weil mit pünktlicher Bezahlung bei uns rechnet. 14000—Mk. ist allerhand. Die wenige Anzahlung macht er vor allem deswegen, weil er sich sagt, sollte es mit dem Geld in Deutschland schief gehen, dann hat er seine Deckung und bekommt alle Monate sein gewisses. Der Platz ist ganz schön aber der Wert ist durch das verpfuschte Haus nicht mehr soviel wert wie so. Schau an, das Haus von Volkart, wo der Helmschrott drin wohnt, kostete 20000.- oder 22000.-, das ist aber ein Haus mit 2 kompletten Wohnungen. Und dem Voltz sein Haus ist garnichts, nicht einmal eine komplette Wohnung. Es ist lediglich wegen dem Platz und wegen der Geldanlage. Aber so schnell wird’s nicht gehen, Eben sagt mir ein Kamerad, es wird zur Zeit nichts verbrieft, aber ich weiß es nicht, ob etwas Wahres daran ist. Dem Frick sein Haus wäre etwas Schönes, vielleicht kannst du etwas darüber erfahren. Auf jeden Fall lasse ich Dir freie Hand aber sage dem Opa [Luise nennt ihn immer noch Herr Lürtzing, und gewöhnt sich erst im Laufe der Zeit an, ihn auch „Opa“ zu nennen; er war der 2. oder 3. Mann ihrer Mutter] es soll es nur genau ansehen und überlegt es richtig. Wenn es die Koch erfährt und kauft, kann man nichts machen, nimm sie nur nebenbei noch, auf die paar Mark kommt es nicht an und dann ist alles in Ordnung, denn vielleicht sind wir noch froh darum. sollte bei uns einmal jemand krank sein, dann können sie wir auch brauchen. Wenn bei den Bataschuhen auch der Verdienst gering ist, da macht nichts, es ist eine zusätzliche Ware, die wir so nicht bekommen können, aber ich habe eigentlich 200 Paar bestellt, ich denke, daß dann noch 100 paar kommen. Also liebe Luise, habe ich Dir so ziemlich alles geschrieben, was ich mitzuteilen habe. Daß alles gesund ist, bin ich froh und ich hoffe, daß wir die schlimme Zeit gut überstehen, denn wird wieder alles gut. Sorge dich nicht um mich es ist wirklich so, daß ich diesesmal alles leichter ertrage und es geht mir auch viel besser, und ist garkein Vergleich mit Ingolstadt. Wenn ich nicht in Uniform steckte, würde ich wirklich meinen es ist ein Erholungsheim. Die Luft ist gut und das ganze Leben und Treiben hat hier etwas Gemütliches. im Zimmer sind recht nette Leute bei mir. Ein Westfale, ein ganz feiner ruhiger Mensch, der aus einem Kloster aus Benediktbeuern kommt, ein Schneider, dem die Witze überhaupt nicht ausgehen, aus München & noch ein Textilwarenhändler aus München, der aber selbst bei Zuben in München ist und die Frau das Geschäft führt. Die sonst noch da sind, sind auch recht nett. Daß Dir’s also gut gehen und arbeite nicht zuviel, ich werde dann schon wieder nach dem Rechten sehen, wenn ich wieder heimkomme.

Ihr werdet jetzt gerade beim Sonntagsnachmittagkaffee sitzen und laßt ihn Euch gut schmecken. Herzliche Grüße & Küsse, Dein Gustl.


Obermenzing 13. II.40
1015 Uhr nachts

Liebster Gustl!

Heute wurde ich sehr belohnt, als ich vom Geschäft nach Hause kam und ich deine beiden Briefe bekam. Habe wohl gerechnet, aber nicht mit Bestimmtheit um so größer die Freude als ich deine Briefe dann erhielt.

Ich bin glücklich daß es für dich zu ertragen ist, denn ich hatte so große Sorge du könntest wieder Nervengeschichten bekommen. Vielleicht bekommt dir die Luftveränderung. Aber frierst du denn nicht? Heute war es so unendlich kalt mich hat es sehr gefroren beim heimgehen obwohl ich 2 paar Handschuhe anhatte. Gehe immer selbst hinüber in die Filiale, denn es ist am besten so, auch aus Liebe zu dir, damit du ganz beruhigt bist. Habe mich gut eingearbeitet drüben. Auch mit den schriftlichen Arbeiten geht es so leidlich. Nur finde ich daß es sehr anstrengend sein muß soviel Wache. Kann da doch nichts passieren. Habe immer Angst, denn sonst müßte man doch nicht bewachen, wenn nicht Gefahr für das Bewachte bestehen würde. Schreibe mir nur die Wahrheit ob dir wirklich nichts abgeht. Denn ich will alle deine Wünsche erfüllen. Mit dem Hauskauf eilt es nicht so, denn bis jetzt hat H. V. noch nichts unternommen, wegen Einkauf ins Heim, es muß auch etwas frei sein. Er ist wieder ganz gut beisammen, nur schrecklich mager ist er geworden sagt Mama. Wenn ich nur wüßte, an wen man sich da wenden könnte, ob z. Zt. Verbriefungen stattfinden oder nicht. Das ist meine schwache Seite mit Behörden umzugehen, da wird mir jetzt schon Angst, da wir doch unsere Punkte an die zukünftige Wirtschaftsstelle abliefern müssen um Punktschecks zu erhalten. Ich weiß nicht wo das ist? Ohne diese kann man Textilwaren nicht mehr kaufen. Die Firmen können sogar nachverlangen, wenn man kurz vor dem 15. II. noch Ware bekommen hat. Werde es schon noch erfahren. Wäre halt viel leichter gewesen, wenn du wenigstens alle 14 Tage kommen könntest. Vielleicht bekommst du doch einmal Geschäftsurlaub wenigstens 2 Tage. Hatte mich schon so gefreut, daß ich dich besuchen könnte. Aber es ist halt nichts zu ändern.

Morgen Früh wird dir Rosa gleich einen Gesundheitskuchen backen u. ich werde dir dann das Paket schicken. Sollen wir nicht auch die Lederfäustlinge schicken z. Wachestehen? Frau Schneider war auch da oder habe ich es schon geschrieben immer das gleiche. Frau Auer hat keine Trauer um Ihren Mann. Habe außer deinem Brief heute auch von Frau Dettmer einen Brief bekommen, lege ihn bei. Werde immer noch nicht ganz klug ob sie auch weiß, daß er uns einen Brief geschrieben, ich glaub jedoch schon. Nun, weiß ich wieder nicht wie ich mich verhalten soll, daß es recht ist. So ist überall ein anderes Leid. Wegen Frick seinem Haus weiß ich nichts, muß schauen, daß ich etwas erfahren kann. Frau Koch benötigen wir z. Zt. nicht & sie ist froh sie sagt wenn wir sie unbedingt bräuchten könne sie schon aber sie sei froh wenn sie nicht kommen muß. Wenn nicht eine Punktzulage kommt, wird sich nichts ändern. Nähmittel gibt es immer noch nicht. Wo war das, wo du die Bezugsscheine für Schuhe abgegeben hast? Soll ich dir Textilzeitung schicken? Kannst du auch Radio hören Anni war auch da, wie immer das gleiche beim Konrad Hoffnung aufs Heimkommen. Anni habe ich auch nichts erzählt wegen Haus, denn ich möchte Ihr nicht den Mund wässrig machen, da wir noch nicht wissen, ob es was wird. Lürtzing möchte am Liebsten mit Mama hinüber ziehen, damit wir mehr Platz hätten, was einerseits auch zumachen wäre. Aber dann hätten wir keine Mieteinnahmen. Doch darüber brauchen wir kein Kopfzerbrechen machen, wollen sehen was die Zeit bringt. Das Haus von Frick wäre wohl sehr schön, aber ich denke, es wird unendlich teuer sein, auch ist es nicht bestimmt ob sie es verkaufen, denn Herr Volz weiß viell. gar nicht Bescheid. Herr Eck hat inzwischen nicht mehr angerufen. Handschuhe v. Herr Panner sind schon da. Wegen dem 1 paar Schuhe zu 6 Mk. die fehlten habe ich nichts reklamiert, denn das wird mit Unkosten verbunden sein die Bataschuhe die einen Überschuhe sind ganz ordentlich & können wir sie gut gebrauchen. Endlich ist auch die Tasche von Brügg.[elmann] gekommen. Tags zuvor hatte die Kundsch.[aft] nochmals angerufen und alles gerichtet hatte lang geschnürt. Nun habe ich denke ich alles geschrieben was du wissen sollst. In der Hoffnung auf baldiges gesundes Wiedersehen freut sich Deine Luise mit vielen Küssen.

Recht viele herzliche Grüße von allen Anderen. Es ist schon auf 12 Uhr gute Nacht


Obermenzing 14.II.40
Mittwoch 8 Uhr abends

Liebster Gustl!

Anbei den gewünschten Kuchen & selbstgebackene Kekse. Laß dir Alles gut schmecken. War heute morgen in der Stadt & habe für dich einen Anzugsstoff besorgt. Es gibt nur wenig Auswahl & 12.65 für Mtr. war die höchste Preislage. Er sieht ganz gut aus in braun gestreift. Die Bedienung war kurz und bündig als ich sagte möglichst bräunlichen Ton, dann sagte er man müsse nehmen was da sei. Den Stoff mußte Karl haben, denn werden erst die Punkte abgeschnitten habe 3 Mtr 20 genommen macht 40.50. Zum Stragazieren [?] geht es schon. Auch die Sachen, die Frau Dettmar für mich ausgesucht hatte, mußte ich holen. Es ist eine sehr schön geschliffene Vase und ein reizendes fotografisches Bildchen v. Rosa. Es ist mir peinlich, daß sie wieder was geschickt hat, vielleicht will sie gutmachen. Ob er wohl entlassen worden ist, denn er sollte kommen. Mit gleicher Post schicken wir auch Konrad einen Kuchen. Deine Mutter hatte mich vorige Woche angerufen. Du wirst ihr inzwischen schon wieder geschrieben haben.

Gestern konnte ich lange nicht einschlafen, wenn ich ganz allein bin, dann habe ich halt schrecklich Zeitlang. Will aber zufrieden sein, wenn es dir gut geht. Aber Ostern wirst du doch bestimmt Urlaub bekommen es ist doch so früh heuer. Das Kissen haben wir extra geschickt. Heute war es wieder so kalt. Bin von Botanischen Garten zu Fuß ans Untm. [Untermenzinger] Geschäft durch die Weidmannstr. Das ist viel Wald und ich habe gedacht, daß du ebenfalls durch den Wald immer gehst. Soll ich dir eine neue Uhr schicken? Also nun schließe ich & grüße dich & küße dich Deine Luise

Auf baldiges Wiedersehen

Nun muß ich Kaffe machen.

Ich kenne diesen Weg, eine ähnliche Strecke bin ich als Kind oft mit dem Fahrrad gefahren; eine Variante, um in die Schule zu kommen. Was zu meiner Zeit von dem Wald übrig geblieben war, den Luise hier beschreibt, ist ein breites Stück in der Nusshäherstraße zwischen den anliegenden Häusern und der eigentlichen Straße, durch den sich ein kleiner Trampfelpfad schlängelte (oder schlängelt, wer weiß?), wo ich einen kleinen, wilden Slalom über die Wurzeln geradelt bin. Dann erinnere ich mich noch an ein kleines Waldstück mit einem Bächlein noch bevor man ins Kapuziner Hölzl kam. Dort gab es einen Trimm-Dich-Pfad, den ich über die Jahre beim verwittern beobachten konnte. Ich habe diese Radelstrecken sehr gemocht, auf diesen Wegen konnte ich den nächtlichen Träumen als Anführerin einer Kinderbande an den Ufern einer Würm nachhängen, Rote Zora von Obermenzing. Luise geht in Gedanken gemeinsam mit ihrem Gustl durchs dunkle Grün.

St. Georgen, den 17.II.40.
vormittags ½ 11 Uhr

Liebste Luise!

Da ich gerade noch ¼ Stündchen Zeit habe, schreibe ich Dir einige Zeilen. Habe mich gestern sehr gefreut, also ich nach Hause kam und Deinen lieben Brief erhielt. Ich bin froh, daß es Dir gut geht und daß Ihr alle gesund seid. Heute mittag 12 h geht es wieder auf Wache. Das Wetter ist heute sehr schön & hoffentlich wird es nicht mehr so kalt. ich war froh, daß ich Dich noch telefonisch erreichen konnte, nur konnte ich leider nicht so reden wie ich möchte, da es in einem Büro der Arbeitsfront war, die hier die Arbeiter zu betreuen haben. Sonst gibt es hier keine Möglichkeit, außerdem, ich komme einmal aus dem Lager hinaus. Wegen der Wache brauchst Du Dir keine Gedanken zu machen es ist vollkommen harmlos und ich werde Dir schon Bescheid geben, wenn wir uns persönlich treffen. Daß es mit dem Hauskauf von Voltz noch nichts geworden ist, ist nicht schlimm, denn meiner Ansicht nach machen wir keinen guten Fang und für dich ist es auch besser, dann hast Du nicht soviel Arbeit und diese Sorge können wir uns für später aufheben. Hoffentlich dauert es nicht mehr all zu lange und können vielleicht bald ein frohes Wiedersehen feiern, liebe Luise, schicke mir beim nächstenmal etwas Faden, wenn es geht. Handfaden schwarz & weiß & Maschinenfaden mittlere Stärke schwarz & weiß, tu denselben aber noch innen im Paket etwas verpacken; und nur kleine Rollen 10 & 200 mtr. Frieren brauchen wir wirklich nicht, wir haben gute Handschuhe und extra noch einen Übermantel über den andern drüber und bei großer Kälte wechseln wir zum Teil alle Stunden den Posten & können uns wieder aufwärmen. Eben wird zum Essen gerufen und ich muß meinen Brief schließen, da ich hernach auf Wache gehe und den Brief vorher noch aufgeben möchte, daß er heute noch mit der Post fortgeht. Das Paket ist noch nicht da und ich hoffe, daß ich, wenn ich morgen heimkomme dasselbe in Empfang nehmen kann. Komme eben vom Essen zurück und muß mich für die Wache fertig machen. Sei nun recht herzlich gegrüßt und geküßt, Dein treuer Gustl. Viele herzliche Grüße an Alle auch an Anni & Kinder. Hoffe, daß ich nächste Woche schon mehr weiß und daß wir uns vielleicht treffen können. vielleicht geht inzwischen der Schnee weg.

In Liebe Dein Gustl


Obermenzing 20. II. 40
Mittwoch

Liebster Gustl!

Gestern deinen lb. Brief erhalten & danke dir herzlichst dafür. Es tut mir leid, daß du das Paket noch nicht erhalten hast. Schreibe erst heute Früh, da ich das letzte mal die ganze Nacht nicht schlafen konnte als ich dir so spät einen Brief geschrieben hatte. Der Sonntag ist mir jetzt der ärgste Tag, da fehlst du mit am meisten. Aber es wird die Zeit auch bald wieder kommen, wo du wieder bei mir bist. Gestern war ein scheußliches Wetter, es war ein schlimmer Weg, Wasser & Eis muß immer denken, daß du ständig im Freien sein mußt bei jeder Witterung. Wenn es dir nur nicht schadet. Rosa hatte heute Früh schon Lebkuchen gebacken & ich will dann gleich ein Paket für dich fertig machen. War sehr glücklich als du mich angerufen hast. Freue mich ja schon so sehr auf unser Wiedersehen. 1 Stunde nachdem du mich angerufen, hatte mich deine Mutter angerufen. Habe sie für Sonntag eingeladen, war ihr jedoch das Wetter zu schlecht, da sie nicht gekommen. Sie sagte zu mir am Telef. sie möge mit mir bei besserem Wetter zu dir hin fahren, obwohl ich ihr gesagt, daß keine Möglichkeit bestünde dich zu besuchen. Ich will doch allein sein wenn ich zu dir komme, sonst können wir nichts besprechen. Im Geschäft geht soweit alles seinen Gang. Es ist äusserst ruhig. Habe wegen der Punktverteilungsstelle Wirtsch. Amt Maxim. angerufen, erfahren daß die Stellen erst errichtet werden und daß man schriftlich benachrichtigt wird wo man hin gehört. Nun kommen von allen Seiten von Firmen Schreiben mit Punktschecks zu bestellen. Nun muß ich halt abwarten. Weißt du eigentlich, ob du nach 2 Monaten wieder frei bist? Habe immer noch große Hoffnung, daß im März eine Änderung kommt. Eben ist eine Versicherung zum zahlen gekommen lege bei da ich nicht weiß ob ich sie bezahlen soll. Die Zahlungen für Wareneinkäufe sind erledigt auch sonst komme ich durch mit den schriftlichen Arbeiten. Gestern hätte ich ins Kaffe Stenger am Abend sollen in einen Vortrag. Wie Bomben wirken, das wäre gerade etwas für mich & das Glatteis dazu. Luise muß zur Zeit einen Kurs Luftschutz mitmachen. Maria ist fertig. Es ist nur gut, daß nicht viel los ist. Die Schulen sind immer noch geschlossen für die Berufsschule meine ich. Otti hat schon Schule. Wenn das Wetter besser wird, will Lürtzing Herrn Voltz in die Stadt begleiten, wegen Einkauf in ein gem. Brüder v. Lürtzing hat auch geschrieben. Fritz geht es bis jetzt noch gut, ist in der Küche in Coburg. Dort werden mir alle 2 Monate Bezugsscheine ausgestellt. Nur wegen der Uhr hast du nichts geschrieben ob du deine wieder bekommen hast? Soll ich dir eine kaufen & mit bringen. Schreibe mir genau, wenn ich fahren kann. Kann auch wochentags sein, nur am Samstag halt nicht. Freue mich ja schon so drauf und ist meine einzige Freude die ich z. Zt. habe. Nun nicht Neues mehr und sei recht herzlichst gegrüßt & geküßt von deiner Luise.

Recht viele Grüße von allen Anderen. Willi hat nichts hören lassen


St. Georgen, den 21. II.40.
mittags 2 h

Liebste Luise!

Eben habe ich noch kurz vor Wachantritt Deinen lieben Brief erhalten herzlichen Dank dafür. Inzwischen ist Paket mit Brief eingetroffen & habe Dir darauf auch ein Paket mit Wäsche & Brief geschickt. Wegen mir brauchst Du Dir keine Sorge machen, es ist wirklich nicht schlimm und im übrigen bin ich froh, wenn ich viel draußen sein kann, da mir das gut tut. Auch hatte ich manche Stunde für geschäftliche Sachen frei, wenn ich nur die Bücher da hätte. Wenn es kommenden Woche möglich ist, daß wir uns treffen können, dann rufe ich Dich vorher nach Möglichkeit an. Am übernächsten Sonntag wäre es am günstigsten, da ich an diesem Sonntag mit der Wache mittags fertig ist und bis zum Montag vormittag frei habe. Ich könnte da sonntags mittags um ca. 1 h nach Traunstein fahren und dort übernachten. Du müsstest um 913 mit dem D.Zug von München wegfahren und wärst um ca. ½ 12 h in Traunstein, Du könntest bis 1 h im Wartesaal warten und mich dann an der Bahn erwarten. Den kommenden Sonntag ist es voraussichtlich nichts, da ich von Samstag mittag bis Sonntag mittag frei habe & dann wieder von Sonntag mittag bis Montag mittag Dienst habe. Es steht mir also nie ein ganz freier Tag zur Verfügung, immer 24 Stunden von Mittag bis Mittag. Es kommt einmal vor, daß man einen Wachtag aussetzen kann, aber nur dann, wenn die Mannschaften, die gerade Urlaub haben auch pünktlich eintreffen. Kommt einer zu spät, dann muß einer, der gerade frei hätte, wieder einspringen, deshalb kann man nichts mit Bestimmtheit rechnen, ob auch der Sonntag so im Dienst verläuft, wie vorhergesehen. Ob wir eventuell wieder entlassen werden, ist garnichts bekannt. Es sind hier genau dieselben Gerede wie sie in Ingolstadt waren. jeder bringt eine andere Neuigkeit und keine ist bis jetzt eingetroffen, wenn man einmal dabei ist, dann ist es ein großer Zufall, daß man entlassen wird. Hier sind noch immer Jahrgänge mit 1894/95/96 im Dienst, die anderswo schon entlassen wurden. Am Tage nachdem wir in Rosenheim angekommen sind, sind 500 Mann neu eingetroffen, die alles jüngere Jahrgänge waren ca. 34 – 36 Jahre und jetzt erst ausgebildet werden und ebenfalls zu den Landesschützen kommen, es scheinen auch zum Teil keine voll verwendungsfähigen gewesen zu sein, weil auch welche mit kurzem Fuß & verwachsen u. s. w. dabei sind. Meine Uhr ist wieder gut, es kostete nur 1.50 Mk. Gestern war ich in Altenmarkt, einem kleinen Städtchen in allernächster Nähe, wo ich mir so verschiedene Kleinigkeiten kaufen konnte. Etwa Rum, damit unser Tee besser hinuntergeht, auch Käse habe ich bekommen. Die Versicherung braucht nicht bezahlt werden, da es sich ums Auto handelt. Ich schreibe gleich direkt an die Versicherungsgesellschaft. Ich sehe gerade in Deinem Brief, daß Du auch wochentags kommen kannst. Es muß aber so sein daß Du schon in der Früh fährst und übernacht bleibst, sonst haben wir nur ein paar Stunden. Wenn Du es so machen kannst, daß in Untermenzing auch jemand ist, dann geht es schon. Meine Mutter kannst Du für kommenden Sonntag einladen, dann ist die kommende Woche eher die Möglichkeit, daß sie nicht kommt. Es tut mir leid für Dich, mein Liebling, daß Sie so unvernünftig ist und das nicht versteht, daß man einmal für dich allein sein will. Sie hat mir inzwischen geschrieben, es ist halt immer die alte Leier, daß sie allein ist und nur ihr ganzes Leben Kummer hat. Aber sie ist einmal so und man kann sie nicht anders machen. mache Dir keine Sorgen deswegen, es wird auch wieder vorübergehen. Die gewünschten Sachen brauchst Du vorerst nicht schicken, die kann ich auch noch abwarten bis du kommst. Hoffentlich geht das mit Voltz nicht so schnell. es noch Zeit und man kann alles in Ruhe machen.

Sei nun recht herzlich gegrüßt und viele Busserl, Dein treuer Gustl. herzliche Grüße an Alle. Heute schreibe ich auch an Eierer. Ich wollte, du hättest mehrere Tage Zeit, dann könnten wir uns öfters sehen, die Gegend ist hier so wunderbar und bei schönem Wetter ist es einfach herrlich. Wenn einmal alles vorüber ist, dann fahren wir einmal hierher. Dein Gustl

Für Luise muss Gustls Mutter Konradine ein andauerndes und unlösbares Problem gewesen sein. Ich unterstütze sie jetzt hier mal und zeige Konradine in all ihrer Bitterkeit.

Ich weiß nicht, in welchem Moment sie da erwischt worden ist, aber die Frage, wer die „böse Oma“ war, von der mein Vater mir erzählt hat, ist wohl entschieden. Ich dachte ja, dass das vielleicht daher kam, dass sie ihren Wilhelm schon 1913 verloren hatte, da war sie grade mal 37 Jahre alt und ihr kleiner Sohn Gustl mit 13 mitten in den Teenagerjahren. Aber auf einem gemeinsamen Foto (siehe hier: Wilhelm Weidemann, der Uropa) hat sie auch zu seinen Lebzeiten schon diesen Blick, wenn auch weniger ausgeprägt. Das muss bei ihr angelegt gewesen sein.

Obermenz. Mittwoch 21.II. 2 Uhr

Liebster Gustl!

Mit großer Freude Deinen lb. Brief & Wäsche von Dir erhalten. Schick Dir anbei gewünschte Sachen. Bin immer beruhigt wenn ich weiß, daß es Dir gut geht. Wie du schreibst hast Du gehört, daß Du vielleicht wieder nach Rosenheim versetzt würdest, was einerseits zu begrüßen wäre jedoch ich hätte Angst daß du von da vielleicht noch weiter fort kommen könntest. Konrad hatte schon geschrieben, daß sie von Rosenheim schon Nachersatz bekommen hätten und er schaute schon immer ob Du nicht dabei wärst. Das wäre mir noch viel schlimmer wenn du so arg weit fort kämst. Ich will es nicht hoffen. hast Du die Lebkuchen schon erhalten? Schreibe nur immer wenn Du Wünsche hast. Im Geschäft ist immer alles gleich. Nächsten Montag gibt es wieder Nähmittel auf Damen & Mädchenkarte, Herrn- & Knabenkarte erst im März. Mit den Punktschecks geht auch nichts vorwärts, habe noch keinen Bescheid. Lege Zeitungsausschnitte bei, vielleicht sind sie wichtig. Heute sind von Fa. Böhmer 48 Stck. Frottier-Scheuertücher gekommen. Sind die eigentlich auf Bezugsscheine, da wir jetzt schon öfter bei (…?) für 2 Stück Bezugsschein erhielten. Herr Pommer hat auf die Rechnung hinauf geschrieben: Sammle die Punkte für Strümpfe. Komme demnächst vorbei. Karl Pommer. Kann notwendig Strümpfe brauchen. Peter hat auch einen Katharr aber sonst ist er gesund & wie immer äußerst lebhaft & macht zur Abwechslung ins Höschen. Sonst nicht Neues. Nun laß bald wieder etwas hören. Otti wird demnächst schreiben, da er jetzt in den Apell muß. Noch etwas, wegen dem Anzugstoff das ist nicht mehr gut zu ändern, da Opa schon beim Niggl für sich was bestellt hat & kein Stoff beim Karl ist, sonst denkt er Lürtzing soll sich einen Anzug machen lassen für Wochentags geht er schon. Wenn du nur schon wieder da wärst bei uns. Alles andere wäre ja gar nicht wichtig. Kakao bekommst du dann da nächste mal hatten gerade keinen da. Also auf recht baldiges frohes Wiedersehen freut sich deine Luise.

Du schreibst mir nicht ob ich Dir eine Uhr kaufen soll & was für eine, oder brauchst Du keine? Nochmal viele Grüße & Küsse von Deiner Luise.

Auch Grüße von allen Anderen Peter spielt immer mit deiner Rechenmaschine er sagt die gehört mir die brauch ich und er kann wirklich damit umgehen


Mü Obermenzing 24.II.40
Samstag Früh 9 Uhr

Liebster Gustl!

Mit allergrößter Freude Deinen lb. Brief erhalten. Ich kann dir gar nicht schreiben mit welch großer Freude ich mich auf das Wiedersehen freue. Es wäre mir auch am Liebsten nächsten kommenden Sonntag.  Nächste Woche habe ich viel zu tun. Wegen Einführung unseres Punktkontos. Muß an einem Tag vor unser Buchstabe trifft in die Stadt fahren. Die ganze Geschichte ist furchtbar umständlich und ich glaube wir müssen die Kuverts wieder öffnen & die Punkte 100weiß bündeln. In Allem bin ich mir noch nicht klar. Auch müssen wir bei Warenbeschaffung genau soviel Punkte abgeben, wie die Kundschaft z. Beisp. 100 gr. Wolle 7 Punkte zum Teil sogar auch mehr für einen Artikel z. B. ein Bademantel f. d. Kundsch. 30 Punkte für Warenbeschaffung 60 Punkte. Das Einkaufen ist jetzt kolossal schwierig durch die Punktgeschichte. Auch weiß ich nicht wo du überall schon für Frühjahr bestellt hast es kommen schon immer Schreiben, wo ich überall Punktkonto einhenden soll & ich habe bis jetzt ja noch kein Konto f. Punkte. Es ist so umständlich du machst dir keinen Begriff.

Gestern stand in der Zeitung, daß es keine Punkte nachgibt. Man darf lediglich März & April vorgreifen, wegen der lang andauernden Kälte heuer. Am Montag gibt es wieder Nähmittel auf Damen & Mädchenkarte, da werden die Leute angestürmt kommen. Nähseide wird das doppelte abgegeben. Auf Männerkarte & Knaben gibt es erst im März. Eben sitzt Peter am Tisch er will zuschauen wie ich schreibe ich soll einen schönen Gruß von ihm schreiben. Otti hatte immer noch nicht Zeit dir zu schreiben, wie er halt ist, immer der Gleiche. Ist es mit Rosenheim nichts geworden, ich glaube es ist besser so. Von Donnerstag auf Freitag hatten wir eine schlimme Nacht. Es muß ein feindlicher Flieger dagewesen sein. Ich dachte zuerst es wäre ein Gewitter als es so furchtbar krachte. Rosa hatte an meine Türe geklopft ob ich das schießen höre. Die Leute standen an den Fenstern.  Fliegeralarm war nicht. Otti schläft neben mir aber er wurde nicht mal wach, obwohl es furchtbar war. Am nächsten Tag, wußte natürlich jeder was anderes, die meisten sagen es wäre nur Übung gewesen, aber diesmal nicht. Hoffentlich wiederholt sich es nicht wieder, denn der Schreck blieb mir den ganzen Tag noch in den Gliedern. Freitag Früh war ich bei Fa. Leuze. Habe verschiedene Knöpfe & diverses gekauft. Hoffentlich kommt nichts mehr dazwischen & gibt es bestimmt ein Wiedersehen am Sonntag dann können wir mündlich alles andere besprechen. Also auf Wiedersehen am Sonntag freut sich schon heute deine dich liebende Luise

Hätte dir schon Kuchen geschickt, konnte jedoch zur Zeit keinen bekommen. Haben die Lebkuchen geschickt. Viele Grüße auch vom Personal

Werde die Tage zählen bis wir uns sehen. Schreibe mir bald wieder

Eben ist eine Karte wegen der Nähmaschine gekommen ist da eigentlich etwas schon bezahlt. Soll im Geschäft vorbeikommen.


Sonntag 6 Uhr 25.II.40

Liebster Gustl!

Habe dir wieder ein Paket zurecht gemacht. Laß dir alles recht gut schmecken. Hoffe daß wir in 8 Tagen um diese Zeit beisammen sind in Traunstein. Kann es erst glauben, wenn ich im Zug sitze, das Geschäft war ganz schlecht am Samstag. Einnahmen in beiden Geschäften zusammen 98.- Schicke dir auch was zum Lesen. Hoffe daß also nichts mehr dazwischen kommt und schreibe in unendlicher Sehnsucht

Deine Luise


Mü Obermenzing 27. II. 40
abends ½ 9 Uhr

Liebster Gustl!

Gestern Abend deine beiden lb. Briefe erhalten & ich danke dir herzlichst dafür. Inzwischen wirst du wohl wieder von mir ein Paket & Zeitung bekommen haben. Meine Gedanken sind immer mehr auf unser Wiedersehen eingestellt & hoffe daß nichts mehr dazwischen kommt. War heute Morgen in der Sparkassenstraße zwecks Erricht. eines Punktkontos. Das Ganze ist sehr umständlich & bin mir über vieles noch nicht im Klaren die ganze Arbeit mit den Kuverts, die du am Abend immer hattest, war umsonst, mußten sie wieder öffnen & die Punkte ew. weiß bündeln. Am Freitag will Herr Pommer kommen zwecks Bestellung von Strümpfen & noch verschiedenes, vielleicht kann er mir noch über verschiedenes Bescheid geben wegen der Punkte. Auch war ich noch bei Fa. Brügelmann Wolle bekommt man z. Zt. nirgends. Das Geschäft ist immer noch sehr mäßig, ganz besonders in Obermenzing. Fa. Koch hat auch geschrieben um Übersendung von ca. 1960 Punkten, die ich jedoch noch nicht in Händen habe. Jetzt gehst du mir schrecklich ab, denn die ganze Geschichte nimmt viel Zeit in Anspruch. Frau Dettmar hat heute angerufen wie ich jedoch nicht da war. Sie sagte am Telefon zu Mama, daß er heute wieder an die Westfront mußte. Er sei sehr krank gewesen ich glaube Kopfgrippe er sei sehr mager geworden die Knochen stehen ihm heraus. Er hatte Erholungsurlaub daß er entlassen würde, da brauchte sie sich keine Hoffnung machen, sie brauchen die Alten mit den Jungen allein könnten die keinen Krieg führen hatte zu ihr jemand gesagt. Aber das ist eigentlich gut mit deinem Traum. Ja es ist furchtbar traurig. Gestern stand auch im Völk. daß feindliche Flieger da waren. In Untermenzing hatte ein Herr Lünnes Herrn Niggl Geld dagelassen er möchte seine Schuhe holen, der Bezugsschein sei schon da. Marie hat keine zurückgestellten Schuhe gefunden & sagt die hat er bestimmt schon geholt. Der Bezugs-Schein ist auch schon eingetragen. Die Leute nützen das aus, da du nicht da bist, uns möchten auf diese Weise zu Schuhen kommen, du wirst dich auch wohl nicht mehr erinnern können. Wie steht es eigentlich mit dem Schuh Bez.Sch. die du abgegeben hast, da ist bis jetzt noch nichts gekommen. Außer den Punkten muß man die Bez.Sch. vom 1. November ab abliefern. Was vorher ausgestellt wurde, dafür bekommen wir nichts. Dann muß man die Punkte bewerten, was sehr schwierig ist, den z. Beispiel heißt der B. Sch. Wolle für 1 p. Ki-Strümpfe. Jetzt wissen wir nicht mehr, wie viel Wolle wir da hergegeben. Teilweise müssen wir mehr Punkte hergeben wie die Kundschaft, das Ganze ist halt ein schwieriger Fall. Werde dir dann mündlich alles andere noch erzählen. Wegen der Nähmaschine war ich heute noch dort, und sie wird geliefert. Eine andere haben sie nicht und wir müssen die nehmen. Deine Mutter war auch da, hatte sie eingeladen bis 12 Uhr spätestens dann ist sie glücklich wie immer um ½ 2 Uhr gekommen, dachte schon sie komme nicht. So denke ich, daß sie diesen kommenden Sonntag, dann nicht kommt. Sie hatte am Samstag angerufen & das erste Wort war, ob ich zu dir hinfahren würde. Es ist halt immer die alte Eifersucht, daran ist nichts zu ändern. Laß mir die Freude auf unser Wiedersehen durch nichts verderben & möchte am liebsten die Stunden zählen bis es soweit ist. Anni war auch wieder da & ist halt immer sehr traurig, sie hatte am Montag einen langen Brief von Konrad bekommen, immer dasselbe Zeitlang und heim möchte er. Er darf gar nicht daran denken, daß er nochmal Urlaub bekommt & wieder fort muß. Bin froh, daß dein Katharr wieder besser ist & wollen halt ein paar Stunden glücklich sein. Also auf recht baldiges Wiedersehen freut sich deine kleine Luise

Schreibe wenn du noch etwas brauchst damit ich es dir mitbringen kann. Wir sind alle gesund. Nun ist es doch etwas wärmer geworden & ich bin froh für dich

In Liebe
Deine Luise

Auf Wiedersehen Auf Wiedersehen


Obermenzing 4. III. 40
10 Uhr abends Montag

Mein allerliebster Gustl!

Bin heute gut in München angekommen. Habe noch lange dem Zug nachgeschaut, in den du eingestiegen bist. Hat mich schon sehr gereut, daß ich nicht noch bei dir geblieben bin. Hoffe aber, daß ich bald wieder dich besuchen darf. Werde wohl heute lange nicht einschlafen können, vor lauter Sehnsucht noch dir. Es war wundervoll. Im Geschäft war nichts los von Bedeutung. Als ich in München ankam, habe ich gleich angerufen & bin dann noch, da ich schon einmal in der Stadt war zu Fa. Leuze gegangen für Monat März mein Kontingent & so verschiedenes gekauft. Baby-Artikel & s. w. Abends habe ich Herrn Pfeiffer angerufen denn ich muß die Punkte abliefern & gehe morgen in die Wohnung zu ihm hin. Er muß um 12 Uhr seinen Dienst anfangen. Hole mir noch Bescheid & hoffe, daß ich es dann erledigen kann & werde dir dann darüber schreiben. Sehe gerade unter den Rechnungen eine Versicherung & weiß nicht wann das gekommen ist. Vielleicht kannst du es erledigen, wenn es bezahlt werden muß. Sonst nichts Neues mehr das heißt von Popi muß ich dir allerhand erzählen, doch nur mündlich, ich glaube die müssen noch allerhand mitmachen. Bin jetzt schon sehr müde & werde versuchen zu schlafen, da ich in der Früh wieder z. Zeit raus muß & den Omnibus darf ich nicht versäumen. Otti plagt mich schon sehr mit seiner Kleiderkarte er braucht einen Anzug, habe ihm versprochen daß wir uns treffen? dann kaufe ich ihn halt. In Gedanken ganz bei dir schließe ich mit 1000 Küssen auf recht baldiges Wiedersehen

Deine Luise

Freue mich schon wieder auf einen Brief von Dir. Grüße von allen Anderen.

Hoffentlich kommen keine Flieger, denn Samstag um 12 Uhr wurde auch wieder geschossen habe es diesmal nicht gehört


Obermenzing 5. III. 40

Liebster Gustl!

War heute Morgen in der Stadt bei Herrn Pfeiffer & habe dann meine Punkte abgeliefert. Ist soweit alles in Ordnung. Am Sonntag Vormittag kommt denn Herr Pfeiffer und schreibt mir die Schecks heraus. Als ich nach Hause kam, war die Karte vom Wehramt da. Ob es wohl ein Irrtum ist, oder gar Entlassung bedeutet?

Auf jeden Fall schicke ich die dir vielleicht darfst du kommen um aufs Wehrmachtsamt zu gehen. Sonst nichts Neues. In Erwartung auf recht baldiges Wiedersehen grüßt dich und freut sich

Deine Luise


München Obermenzing Sonntag ½ 2 Uhr

Lieber Gustl!

Da es gerade Sonntag ist einige Zeilen. Es ist heute Deine Mutter zu Besuch da. Das Wetter ist heute nicht schlecht, aber die Straßen sind fast nicht zum Begehen, man versinkt im Matsch. Gestern Abend hatte der Führer gesprochen hast du es auch gehört? Werde Dir Morgen wieder ein Paketchen zu recht machen. Anbei Koralle zum lesen. Hast du irgend einen Wunsch, dann schreibe es mir. Schicke dir jetzt Kakao da ich jetzt welchen bekommen. Jetzt ist es endlich etwas wärmer geworden hoffentlich ist es jetzt Schluß mit der großen Kälte. Sonst nichts Neues mehr. In der Hoffnung auf baldigen Frieden grüßt dich deine Luise.

Lieber Gustl!

Weil ich gerade da bin, schreibe ich auch einige Zeilen; Willi hat wieder eine andere Nr. und hat noch nicht eine Zeile seit er fort ist geschrieben, nun bin ich gestern zum Gauß u. da hab ich Lisl getroffen u. die hat mir’s gesagt, daß er eine andere No. hat. u. daß ihm das wieder eingewöhnen nach seinem Urlaub so arg war daß er lieber nicht mehr herkommt. Hast du auch noch nichts von ihm bekommen? Wie geht es dir, hoffentlich den Verhältnißen entsprechend einigermaßen gut. Wenigstens gefällt es dir dort schon wegen der Landschaft besser als in Ingolstadt u. sicher ist man ja heut nirgends mehr da kann es uns hier genauso treffen als draußen die Soldaten. Nun mögt ich gern wissen Verfolger machen könnt weißt du eine Waffe dann bitte schreibe es mir gelegentlich. Nun sei herzlich gegrüßt Deine Mutter

Gruß und Kuß Peter Komme endlich zu mir

Lieber Papa

Ich schreibe dir auch ein paar Zeilen. Mir geht es sehr gut, und in der Schule geht es mir sehr gut in der letzten Englischen Probearbeit habe ich einen 2 bekommen. Abends helf ich immer der Mutti die Kasse machen und schreib die Zetteln ein. Daher sind wir immer schon um ½ 9 Uhr fertig. Der Peter wird immer eigensinniger jetzt grad läßt er sich nicht waschen und schlüpft unter den Tisch. Wenn du wiederkommst wirst du ihn nicht mehr kennen. Heute hat er ausnahmsweise bis um 10 ¼ Uhr geschlafen. Gestern hat er in die Hose gemacht, das laßt er sich nicht austreiben und wenn die Mutti Abends heimkommt verkündet es er mit Freuden. Jetzt schaut er gerade mit der Omi ein Bilderbuch an. Heute ist auch Tante und Liselotte da und auch Oma von München. Und nochmal viele Grüße von

Otti, Lieselotte und Tante

Lieber Onkel Gustl. Sende dir herzliche Grüße Lieselotte

Herzliche Grüße sendet Anny!

Auf recht baldiges Wiedersehen. Bei uns ist leider alles noch beim Alten, keine günstige Änderung in Aussicht aber man darf die Hoffnung nicht verlieren, nochmals alles Gute u. auf baldiges Wiedersehen


Da geht er vielleicht grade in die Schule, der Otti, der jetzt mithilft wie ein Großer, weil der Vater nicht da ist. Er trägt keine Kinderkleider mehr und ist auch ein wachsam beobachtender großer Bruder.

Unter dem linken Fenster sieht man wieder die schweren Decken mit Schnüren dran, mit denen sie nach Vorschrift die Fenster verdunkelt haben.

St. Georgen, den 5. März 1940. Dienstag vormittag 10h

Liebste Luise!

Habe Dir heute früh um 8 h einige Zeilen mitgeteilt, damit Du weißt, daß alles in Ordnung ist. Habe noch 2-mal beim Zug herausgeschaut, daß der Münchener Zug eingefahren ist und kurz darauf ist unserer abgefahren. Ich träume immer noch von den schönen glücklichen Stunden, die wir am Sonntag auf Montag verlebten. Du warst so lieb und ich war glücklich, daß Du so freudig gestimmt warst. Ich habe wirklich alles Schlimme auf einige Stunden vergessen können und war froh, daß wir uns allein gehörten, was oft zu Hause nicht so sein kann. Eben fällt der Schnee und die Bäume sind schon wieder ganz weihnachtlich weiß mit dickem Schnee bedeckt, was allerdings nicht mehr recht in die Jahreszeit passt. Eben haben wir erfahren, daß noch 40 Mann zu uns kommen sollen, dann wird es vielleicht mit dem Urlaub eher was. Habe gestern die Zeitschrift (Koralle) mit dem Brief und Zeitungsausschnitt erhalten, war also 9 Tage unterwegs. Auch erhielt ich noch einen Brief, den Du kurz vorher noch abgeschickt hast, wo Du mir mitteiltest, daß Du kommst, war also schon überholt. Meine Kameraden sagten, daß ich noch keine 5 Minuten weg war und wenn ich nicht mit dem Rad gefahren wäre, hätten sie mir den Brief noch nachgebracht, denn sie waren der Meinung, es wäre wegen meiner Traunsteinfahrt sehr wichtig. Ich bin immer bei Dir und freue mich heute schon, auf unser hoffentlich recht baldiges Wiedersehen. Sollte ich vorerst keinen Urlaub bekommen, dann wiederholen wir die Traunsteinfahrt, so oft es geht, vorausgesetzt, daß es für Dich, mein Liebling nicht zu beschwerlich ist. Habe heute wieder frei bis morgen mittag und da meine vergangene Woche in der Baracke selbst war, habe ich genügend übrige Zeit zum schreiben. Habe gestern nachmittag wieder neuerdings von einem Feldwebel erfahren daß immer noch Verhandlungen mit Ribbentrop und Hitler und einem Amerikaner seien, der zwischen England, Frankreich, Italien & Deutschland zu vermitteln versucht und doch nicht ganz unwichtig sei. Das wäre ein Schlag ins Geschäft, wenn es eines Tages heißt, daß mit allem Schluß ist. Wir wollen das Beste hoffen, aber uns nicht zu früh freuen. Dieser Feldwebel hat sehr große Zuversicht und scheint in politischer Hinsicht kein Kummer zu sein. Hoffentlich kommst Du mit der Punktgeschichte einigermaßen durch und ist es nicht gar so schwierig wie es auf den ersten Moment aussieht. Das ist mir immer die größte Sorge daß ich Dir dabei nicht behilflich sein kann und wo ich hier so manche freie Stunde hätte und Du meine Hilfe so dringend brauchen könntest. Hoffentlich ist bei Euch das Wetter besser, sonst hast Du wieder einen so beschwerlichen Weg, wenn Du nach Untermenzing gehen mußt. Inzwischen, daß ich diese Zeilen schreiben, ist der Schnee schon einige Centimeter gefallen und eben jetzt schneit es in ganz dichten, großen Flocken, wenn das so weitergeht, dann bekommen wir hier noch einmal einen richtigen Winter. Aber zum marschieren ist es immer noch besser so, denn wenn es hier einmal warm wird, dann versinkt man im Schlamm, den hier ist ein Loch und ein Graben am andern.

Wenn meine Mutter kommen soll und es geht, dann sage vorerst nichts, daß Du bei mir warst, ich werde Ihr heute einige Zeilen schreiben, teile ihr aber nicht davon mit, daß Du bei mir warst. Aber wenn vielleicht durch Peter eine Gefahr bestehen soll, dann sage es ihr ruhig, denn Du weißt ja, wie der kleine Peterl erzählt, mit dem „Herrn König“ u.s.w. – abends 1/2 8h Bin inzwischen nicht mehr zum Weiterschreiben gekommen, da wir inzwischen allerhand zu arbeiten hatten. Haben heute neue Öfen bekommen, das war allerhand Dreck. Auch haben wir nachmittags exerziert und nun ist es inzwischen abends geworden & ich muß meinen Brief zu Ende schreiben. Es kann sein, daß am Sonntag ein Feldwebel Schweibel zu Dir kommt und für seine Frau ein paar Schuhe kaufen will. Gr. 41. Haben wir bestimmt noch etwas und ein Strampelhoserl für seinen Sohn ist erst 8 Monate alt. Alles andere darüber mündlich. Vielleicht schaut ein Urlaub heraus. Ist ein ganz einfacher gemütlicher Mann, der im Zivilberuf ein Zeitungsmensch ist, bei der Reichsschrifttumkammer. Ich kann Dir nicht so alles schreiben, deshalb mündlich, sobald es geht. Aber sonst nichts hergeben, geht nicht, sag einfach, vielleicht später. Soviel ich weiß, haben wir so braune Damenschnürhalbschuhe von Rotstern, in Gr. 7 oder 7 ½, die wären am richtigsten. Bin heute nicht mehr dazugekommen, an meine Mutter zuschreiben, aber ich glaube, daß ich morgen auf der Wache dazukomme. Liebe Luise, teile mir bitte Konrad seine Feldpostadresse mit, da ich dieselbe vergessen habe und ich Ihm gerne schreiben möchte. Habe bei unserem Zusammensein ganz darauf vergessen. Ich bin heute schon müde und werde dann so allmählich in meine Klappe verschwinden. Und du mein Liebling wirst heute noch viel Arbeit haben und mußt wieder alles alleinmachen und ich kann dir nicht helfen. Sei halt recht tapfer und hoffe mit mir auf ein baldiges glückliches Zusammensein. An Otti schreibe ich das nächste mal einen Brief, weil er so brav ist und Dir hilft. Sei nun recht innig gegrüßt und tausend süße Küsse Dein Gustl

Viele Grüße an alle werde so bald wie möglich wieder schreiben.

In Liebe Dein Gustl


St. Georgen, den 5. III. 40.

Liebste Luise!

Bin gut angekommen und gleich wieder den Dienst angetreten. Hoffentlich geht es Dir gut und ist Dir die Trennung nicht zu schwer gefallen. Muß den Brief gleich noch mit der Post mitgeben und schließe mein Schreiben nun. Sei recht herzlich gegrüßt & geküßt Dein Dich liebender Gustl. Brief folgt ausführlich.

Viele Grüße an alle


St. Georgen, den 7. März 1940.
Donnerstag 9h abends

Liebste Luise!

Habe gestern Deinen Brief erhalten, mit der Aufforderung des Wehrmeldeamtes. Leider ist es nicht möglich durch solche Aufforderungen einen Urlaub zu erhalten, da diese Angelegenheiten die Kompanieleitung erledigt, denn es handelt sich hier wohl um einen Irrtum, da als Adresse meine Zivilwohnung angegeben ist, und in diesem Falle die Annahme bestanden hat, daß ich noch nicht eingezogen bin. Es ist also diese Hoffnung ins Wasser gefallen. Leider!!! Aber ich hoffe, daß ich doch in nächster Zeit einen Urlaub gekommen, denn allmählich kommen auch wir an die Reihe. Schreib mir einen Brief in dem Du mit mitteilst, daß für beide Geschäfte die Umsatzsteuer wie die Einkommensteuer & Gewerbesteuer & Vermögensteuererklärung so bald wie möglich erledigt sein muß. Schreibe, daß Du am Finanzamt Mü Land warst und diesen Bescheid erhalten hast und daß Du in Steuersachen nichts erledigen kannst und ich unbedingt schauen muß. Habe an meine Mutter immer noch keinen Brief geschrieben, da ich alle möglichen Arbeiten habe und die momentan zur Verfügung stehende Zeit für wichtigeres brauche. Habe heute nachmittag auch Deinen anderen Brief erhalten, der vom Montag 4.3. datiert ist. Es freut mich, daß dir Herr Pfeiffer helfen will & hoffe, daß er Dir auch wirklich helfen kann, dann ist mir ein Stein vom Herzen. Das ist mein größter Kummer, daß ich dich meine kleine, liebe Luise mit allem so allein lassen muß und so garnichts für Dich tun kann. Hoffentlich geht es mit der Zeit etwas besser oder ich bekomme einmal einen längeren Urlaub Die Versicherung ist vorerst bezahlt, die Du mir geschickt hast. Und wenn eine neue Mahnung kommt, dann schicke mir dieselbe zu, dann werde ichs erledigen. Sollte ich keinen Urlaub bekommen, dann können wir uns am übernächsten Sonntag wieder treffen, denn da komme ich voraussichtlich wieder so wie den letzten Sonntag aus Wache und wir könnten unser Stelldichein wieder so arrangieren wie das Letztemal und ich freue mich schon heute darauf, Dich mein Liebling wieder bei mir zu haben und so ganz allein zu sein um einige gewohliche Stunden zu verleben. Kauf dem Otti nur einen Anzug und zwar das Beste, was Du kriegen kannst. War heute auf Wache und bin in der Früh um ½ 5 wieder zum Milchholen gegangen & habe auch etwas Butter bekommen. Morgen ist großer Tag bei uns, es kommt ein hoher Herr General, aber deswegen mussten wir doch ab Mittag wieder auf Wache aufziehen und der gleiche Tanz geht weiter wie sonst. Es war heute großes Reinemachen mit Besen 6 Putzlappen aber ohne Seift. Eben habe ich mit meinem Fußbadewasser mitsamt dem Dreck- & Schweißinhalt dem Unteroffizier sein Zimmer herausgeputzt und den Tisch abgewischt. Prost Mahlzeit, ihm graust vor nichts und mir solls recht sein. Nun, meine liebe kleine Luise, küsse ich Dich in Gedanken so innig wie es geht und bin im Traume bei Dir meine geliebte Luise. Ich grüße dich herzlichst bis auf ein baldiges frohes Wiedersehen, auch Grüße an alle, dein dich liebender Gustl

Ich wünsche für Dich, daß keine Flieger mehr kommen, und hoffe, daß es nur ein Probeschießen war, bei uns war nichts zu hören.

Die geneigten Leserinnen und Leser, die Gustl und Luise schon länger begleiten, kennen diesen Brief ja schon…


Obermenzing 9 Früh Freitag
8. März 1940

Liebster Gustl!

Endlich nach langem vergeblichem Warten deine beiden Briefe erhalten. Habe dir einen Eilbrief geschickt und gesehen, daß du ihn noch nicht erhalten hast. Die Karte vom Wehramt, wird auch wohl nichts zu bedeuten haben, aber man klammert sich eben an alles, was ein Wiedersehen herbeiführen könnte. Das Wetter ist bei uns genau so und hat in dicken Flocken geschneit. Heute Freitag tut es gar nichts. Wie ich dir schon mitgeteilt, habe ich meine Punkte abgeliefert & Sonntag Vormittag will Herr Pfeiffer mit seinem Töchterchen kommen und mir die Schecks herausschreiben, da bin ich froh, denn es ist sehr umständlich. Wollte heute eigentlich zu Fa. Brüggelmann, aber da hätte ich schon fahren müssen ohne den Brief von dir & das hätte ich nicht fertig gebracht, denn ohne Nachricht seit Montag das war sehr viel und bin froh daß soweit alles in Ordnung ist. Habe diese Woche äusserst viel Arbeit mit Auszeichnen gehabt von Fa. Lüg [?] mehrere Seiten & v. Fa. Lenze auf 7 Seiten. Ich dachte es wird überhaupt nicht mehr gar.

Eben fängt es wieder zu schneien an & ich muß immer an die Metzgerin denken, die vorhergesagt Schnee & Eis und im März ist der Krieg zu Ende. War am Mittwoch Vormittag beim Phillipp. Er hat mir 2 x in die Augen geschaut und hat gefragt: Ja was ist denn mit unseren Drüsen los und den Nerven und dem Darm und dem Unwohlsein. So jung und schon so krank. Vollständige Nervenzerrüttung. Es sagte nur nicht den Kopf verlieren, der ist ja angewachsen. Er ist ein Schwabe und ca. 66 Jahre alt. Er hat mir Tropfen & ganz winzige Körner verschrieben zum Einnehmen & ein kaltes Armbad. Nun nehme ich halt die Sachen, auch die Tropfen kann ich nehmen, da sie fast geschmacklos sind. Aber die beste Medizin für mich wäre, wenn der Krieg zu Ende ging & du wieder bei mir sein könntest. Dann wird bestimmt alles wieder gut. Momentan habe ich mich ja ein bisschen aufgeregt, aber es ging bald vorüber. Stimmen tut es ja auch mit dem was er gesagt hat, habe öfters an der Seite Stechen wo ich nicht wüßte, was es zu bedeuten hat und ist mir lieber der Darm als wenns Blinddarm wäre. Aber lieber Gustl, du brauchst dir deswegen bestimmt keine Sorgen machen, daß ich nicht schlecht beisammen bin, das hast du ja bei unserem Wiedersehen gesehen und das mit den Nerven wird bestimmt wieder & das mit den Drüsen verstehe ich nicht. Wegen den Schuhen für Herrn V. werde ich in Ordnung bringen, wenn er kommt, vielleicht hat er auch einen Brief von dir dabei. Otti wird sich sehr auf Deinen Brief von dir freuen. Habe ihm einen Anzug & eine einzelne Hose gekauft. Für Peter habe ich ein Mäntelchen gekauft im Fall daß ich ihn einmal mitnehmen kann, wenn du wirklich nicht kommen könntest; was ich jedoch nicht hoffe. Das Geschäft ist sehr ruhig im Vormittag kommen oft nur 2 – 3 Kunden, Auch Nachmittag ist nicht viel los. Hatte Hilde wieder ein paarmal hinüber geschickt, da ich soviel zum auszeichnen hatte. Aber sonst geht es schon, will immer schauen, daß ich einigermaßen mit der Arbeit nach bin, damit wenn du schreibst, daß ich zu dir kommen soll, ich jederzeit weg kann. Hoffe, daß du meinen Brief vom Sonntag bekommst, wenigstens etwas, wenn man schon nicht beisammen sein kann. Am Samstag wird Anni kommen, bin neugierig was sie zu berichten hat, da wir uns 14 Tage nicht gesehen. Die Adresse vom Konrad lautet: Gefreiter P.A. Prag deutsche Dienstpoststelle 01894. Willi hat nichts hören lassen, auch deine Mutter hat inzwischen nicht mehr angerufen. Wie war es jetzt eigentlich mit der Wurst, die ich wieder mitnehmen sollte, haben wir sie im Zimmer liegen gelassen, oder hast du sie doch mitgenommen, hoffentlich, denn es wäre doch schade in der heutigen Zeit. Schreibe mir, wenn ich dir wieder etwas schicken soll & was. Peter ist gesund & munter, jedoch er macht unendlich viel Arbeit. Er sagt immer, ich muß was machen & dann wenn er auf dem Töpfchen sitzt, dann sagt er es geht nichts raus. Es stimmt auch er hatte schon 2 Tage keinen Stuhl, und wolle ihm gestern Abend einen Einlauf machen, das war ein richtiges Theater und haben ihm heute Feigen gegeben. Er wird es dann nachholen, denn er hat das öfters daß er länger keinen Stuhl hat, danach dann gleich 3 x hintereinander. Wenn er einen Bleistift erwischt, dann will er immer einen Brief an Papa schreiben. Eben isst er heiße Kartoffel mit Butter & kann gar nicht genug davon kriegen. Am Sonntag hat Otti Peter mehrmals geschossen und lege dir die Bildchen bei. Sonst nichts Neues mehr. Nun will ich schließen und auf recht baldiges Wiedersehen freut sich Deine Luise.

Also nochmals über meinen Gesundheitszustand brauchst du dir keine Gedanken machen, sondern freue mich mit mir auf recht recht baldiges Wiedersehen. Es grüßt & küßt dich nochmals

Deine Luise

Recht viele Grüße von Alle.


Obermenzing 9. März 1940
Samstag 9 Uhr

Liebster Gustl!

Eben deinen lb. Brief erhalten den ich dir somit beantworte. Wie ich mir schon dachte, ist es leider nichts geworden mit dem Wiedersehen. Freue mich halt jetzt schon aufs Wiedersehen kommenden Sonntag, wenn du nicht vorher Urlaub bekommst. Lege dir noch einen Brief bei, den du deinen Vorgesetzten lesen lassen kannst. Peter hat inzwischen schon Stuhl bekommen. Wir haben zu ihm gesagt wir machen wieder einen Einlauf, dann sagte er Einlauf mach ich nicht Einlauf ist pfui. Dann sagte ich. Soll ich Otti einen machen worauf er erwiderte ja, der spürts nicht. Wir müssen immer lachen mit ihm zur Rosa sagte er neulich im Zimmer oben die andere Oma ist ein Luder, weils mein Stuhl kaputt gemacht hat. Man kann es nicht glauben, wo er solche Sachen herbringt und könnten schlimme Folgen haben und man kann in solch einem Fall wirklich nichts dafür. Er ist wirklich ein kleiner Schelm. Hoffentlich wird das Wetter nun endlich besser, damit Peter raus kann. Eben höre ich, dass eine Kundschaft Peter frägt, wo ist denn dein Papa & er sagt fort ist er im Wald. Zur Zeit glaube ich fährt Rippentrop nach Rom, vielleicht kommt doch noch ein Friede zu stande. Meinen vorhergesandten Brief wirst du inzwischen ja auch erhalten haben, wo ich dir von Peter einige Bildchen beigelegt habe. Sonst nichts Neues mehr, also sei recht herzlich gegrüßt & geküßt von deiner lieben Frau.

Auf Wiedersehen zu Hause

Damit du den Brief nicht verunstaltest, habe ich überall durchgestrichen

Eben höre ich wie Peter zu Hilde sagt du hast ein Klaps, dann habe ich gefragt, was das ist, sagte er draußen im Garten ist ein Klaps.

Bin gespannt, ob deine Mutter am Sonntag kommt.

Welche Bilder von Peterle das gewesen sein sollen, kann ich von heute aus nicht mehr feststellen, aber ich habe ein paar Winterbilder, die aus dieser Zeit stammen müssen, und wenn ich sie mir so anschaue, habe ich die Richtigen gefunden. Sie zeigen genau das Peterle, wie wir uns es anhand Luises Beschreibungen vorstellen können.

Peterle hat die Tasche vom Fotoapparat erobert und dann kommt auch noch die Oma Annie schnell kurzärmelig in die Kälte, um ihm den Kragen zu richten, das gefällt ihm offensichtlich nicht. Vielleicht trägt er das neue Mäntelchen, von dem Luise geschrieben hat. Das letzte Bild dürfte dann das mit der geplanten Aufstellung sein. Otti hat anscheinend gerne den Moment eingefangen und wollte sie nicht nur zeigen, wenn sie sich fertiggerichtet hatten. Luise trägt einen schweren, schwarzen Pelzmantel, ich trug so einen in meinen Heidelberger Studentenzeiten, bevor ich realisierte, dass das Wetter dort deutlich milder war als in München und ich immer nassgeschwitzt war, wenn ich die Höhen des Emmertsgrunds erklommen hatte. Wegen der Länge und der Schwärze habe ich immer gedacht, ich hätte ihn von Oma Jaja geerbt, aber wenn ich jetzt die Fotos so betrachte, könnte es auch dieser gewesen sein.

Obermenzing den 9. März 1940

Lieber Gustl!

Habe dir inzwischen einen Eilbrief geschrieben, den du wohl schon bekommen hast mit einer Karte vom Wehramt. Habe nicht gewußt, was ich sonst machen sollte und deshalb per Eilbrief geschickt. Bin gestern auf dem Finanzamt München Land gewesen und habe dort erfahren, daß für beide Geschäfte die Umsatzsteuer, Einkommensteuer & Gewerbesteuer & Vermögenssteuererklärung so bald wie nur irgendmöglich erledigt werden muß. Da ich wie du weißt in Steuersachen nichts verstehe, so mußt du deinen Vorgesetzten bitten dir einige Tage Urlaub zu gewähren, damit die Sachen erledigt werden können. Einen anderen Rat weiß ich mir nicht. Auch die neue Verordnung über Warenbeschaffung durch Punktschecks macht wahnsinnig viel Arbeit und komme ich nicht mehr zu Recht damit. Auch findet anfangs der Woche in München eine Schuhausstellung statt, da könntest du die Bestellung mit erledigen, da ich die 2 Geschäfte nicht zusperren kann und den Einkauf von Schuhwaren nur du selbst erledigen kannst. In der Hoffnung daß du kommen darfst schließe ich und es grüßt dich vielmals

deine Frau

Das scheint mir der Brief zu sein, den Luise extra schreibt, damit Gustl ihn vorzeigen kann, wenn er um Urlaub fragt.


Den 12. III. 40.

Liebe Luise!

Bekomme am Gründonnerstag bis Ostersamstag mittag 12h Urlaub. Muß jetzt auf Wache und habe nicht mehr viel Zeit. Dein Brief erhalten. Alles andere mündlich in Altenmarkt oder Traunstein, Schreibe Dir noch oder telefoniere. Herzliche Grüße & Küsse. Dein Gustl. Grüße an alle „Vi“ ist schon zurück und kommt erst nächste Woche zu mir ins Geschäft. An Ostern selbst bekomme ich also keinen Urlaub. Aber ich kann wenigstens im Geschäft helfen. Nach Möglichkeit folgt Brief

In Treue Dein Gustl


St. Georgen, den 14. III.40. Donnerstag 4h

Liebste Luise!

Da ich gerade übrige Zeit habe, muß ich Dir noch ein Brieflein schreiben, denn es vergeht ja noch eine geraume Zeit, bis ich wieder auf einige Tage bei Dir bin. Hoffentlich geht alles glatt und kommt nichts mehr dazwischen, bis wir unser Wiedersehen feiern können. Ich will Dir nun alles schreiben wie es hergegangen ist, bis ich den Urlaub bewilligt bekommen habe. Ich habe Deinen lieben Brief Montag erhalten und habe mich gleich am Dienstag zum Rapport gemeldet, mit meinem Brieflein von Dir bin ich vor den Gewaltigen getreten und habe meinen Urlaub verlangt, trotzdem vorher der Herr Hauptmann selbst bekannt gab, daß es keinen Urlaub gibt. Ich habe dann auch für diese Woche keinen Urlaub bekommen und habe gleich darum gebeten, daß ich dann wenigstens für die Tage vor Ostern Urlaub bekomme. Meinen Brief wollte er garnicht ansehen. Scheinbar glaubte er mir die Begründung nicht ganz. Die Hauptsache ist, daß es soweit ist. Ich freue mich schon heute unsäglich darauf, endlich einmal wieder heimzukommen und bei Dir zu sein. Liebste Luise, schreibe mir bitte noch, wenn Du Zeit findest, was ich Peter & Otti mitbringen soll; Es sollen schöne Tage werden und hoffentlich werden sie uns durch nichts getrübt. Der Dienst geht mir zur Zeit noch so leicht von der Hand. Mir graut nur heute schon wieder vor meiner Rückkehr, aber ich will vorerst noch gar nicht daran denken. Habe Dich gestern früh, wie ich auf der Wache war angerufen, da sich gerade eine günstige Gelegenheit geboten hat. Ich mußte nämlich für einen Feldwebel Milch holen und konnte gleichzeitig für mich Milch und Butter kaufen. Dabei sah ich an einem Bauernhof ein Emailschild mit dem Zeichen „Öffentliche Fernsprechstelle“. Ich konnte nun von da aus gleich direkt durch Kennziffer unsere Nummer wählen und war glücklich, daß ich Deine Stimme hörte und daß ich es so gut getroffen hatte und Du daheim warst. Leider war ich nicht allein, sonst hätte ich Dir auch etwa Liebes gesagt. Mein liebes, kleines Luiserl, ich bin immer bei Dir, träume von Dir und vergesse keine Stunde, an Dich zu denken, mein Liebes. Hoffentlich bis du gesund und ich will Dir auch im Geschäft helfen, daß Du nicht gar zuviel Arbeit hast. Ich weiß, daß es zuviel ist, was zur Zeit auf Dich ruht, aber ich hoffe halt immer, daß es nicht mehr all zu lange dauert. Nachdem jetzt der Krieg in Finnland beendet ist, hoffe ich erstrecht, daß es bei uns jetzt auch schneller geht, denn das ist im Allgemeinen die Ansicht, daß es für Deutschland besser ist, daß dort der Krieg beendet ist. Ich habe die Nachricht erfahren, wie ich Dich gerade angerufen habe. Gestern erhielt ich von Herrn Pfeiffer einen Brief, der mich sehr gefreut hat und mich auch sehr beruhigte, weil er mir verspricht, die Punktangelegenheit für uns voll & ganz zu übernehmen und ich hoffe, daß Dir damit die schwerste Arbeit abgenommen ist. Es ist ja wohl sehr umständlich aber vielleicht kann Opa die Sachen immer überbringen. Warst Du inzwischen schon wieder bei Philipp? Hoffentlich kann er Deine Nerven wieder in Ordnung bringen und die anderen Krankheiten heilen. Hoffentlich bis Du bei unserem Beisammensein gesund und gehörst du mir für diese Tage ganz. Ich habe Dich jetzt schon in meinen Armen und freue mich schon darauf die ganz Nacht bei Dir zu sein. Mach Dir nur keine Umstände für mein Kommen, ich habe sonst gar keine Wünsche, als wie nur Dich bei Dir zu weilen, sowie Peter & Otti und alle. Hoffentlich geht es Deiner Mutter gut und ist sie wohlauf. Wenn meine Mutter gerade anrufen soll, dann sage ihr halt, daß ich am Freitag da bin, denn wenn das Geschäft auf ist werden wir sie nicht gut gebrauchen können. Ich glaube ja kaum, daß wir auf Ostern besonders zu tun haben werden. Wir haben gestern 18 Mann Zuwachs bekommen und ungefähr soviel werden entlassen & beurlaubt. Hauptsächlich Landwirte und ganz Kranke, unbrauchbare Leute.

In Rosenheim ist die Kaserne ganz leer gemacht worden und am 16. müssen hauptsächlich die Jahrgänge 1908/1909 einrücken, da wird wohl Herr Koch auch einrücken müssen. Ich schreibe heute auch an Herrn Pfeiffer, die finanzielle Frage können wir später regeln. Ich war oben auf Patrullie und es war herrlich. Ich mußte einen Waldweg entlang gehen, der auf einer Lichtung an einer Höhe entlang läuft und man hat einen wunderbaren Ausblick aus Gebirge, das zur Zeit so klar und schön zu sehen ist, wie noch nie; seit ich da bin. Ich wollte, Du könntest bei mir sein und das miterleben, dann wärst Du bestimmt bald ganz gesund. Der Schnee verschwindet allmählich und nur im dichten Wald ist noch tiefer Schnee. Ich muß mich nun allmählich aufmachen um vor meinen nächsten Patrullienantritt noch zu essen und in Form zu kommen. Die Füße tun mir heute schon weh, weil man durch das im Schnee einfallen ziemlich müde wird. Wenn Du gerade noch ein übriges Viertelstündchen hast, dann schreibe mir noch ein paar Zeilen, ich freue mich immer, wenn von daheim ein Brieflein kommt. Ich grüße Dich nun innigst und freue mich auf ein baldiges frohes Weidersehen.

Grüße an Alle

Nochmals herzliche Grüße & Küsse Dein Gustl!

Das rührt mich so. Je länger sie voneinander getrennt sind, um so mehr wenden sie sich einander zu, scheint mir. Die Briefe selbst geben uns ja einen Einblick in die damalige Kommunikation, ich freue mich an der konzentrierten Zeit, die sie einander beim Schreiben widmen, der authentischen Höflichkeit, mit der sie miteinander umgehen und die Liebe, die sie zusehends ausdrücken. Da können wir mit unseren Whats-App-Chats, die einem selbst nach wenigen Tagen kryptisch erscheinen, nicht mithalten. Und die Szene mit der „Öffentlichen Fernsprechstelle“, die Gustl so anschaulich beschreibt, wirft ein weiteres Schlaglicht darauf, wie grundlegend anders sich das damals gestaltet hat. Des Anderen Stimme zu hören war, wenn man örtlich getrennt war, ein seltene und herausragendes Ereignis.

MÜNCHEN, 14. III 40
9 Uhr abends

Liebster Gustl!

Herzlichen Dank f. deinen Zettel. Da ich so Zeitlang habe & es noch so lange ist bis wir uns wiedersehen will ich doch noch schreiben. Ich kann es noch nicht glauben daß du wirklich nach Hause kommst. Lieber wäre es mir ja gewesen, wenn du die 2 Feiertage & noch anschließend einige Tage bekommen hättest muß aber so auch zufrieden sein, denn solange das Geschäft auf ist kann ich mich dir nicht so widmen wie ich möchte.

Was sagst du zu Finnlands Friedensschluß wenn es bei uns doch auch schon so weit wäre auf jeden Fall ist günstiger so. Hoffentlich bekommt Konrad auch Urlaub, daß ihr euch auch sehen könnt, weiß bis jetzt noch nichts. Kommt V erst wenn du da bist? Heute abend ist ein schlimmer Wind & das Licht ging eine Zeitlang aus Gewitter.

Freue mich ja schon so sehr auf dein Kommen, daß ich mein, ich kann es nicht erwarten, bis du da bist. Wäre eigentlich noch gerne gekommen jedoch mit dem Omnibus möchte ich nicht fahren denn Luise hat erzählt der Fahrer wäre aus Grafing & bekannt als schlimmer Fahrer. Es geht am Inn entlang und ziemlich steil, da wird es halt allen Leuten schlecht, noch dazu fährt er ein so schnelles Tempo, auch wenn die Leute noch so schimpfen. Das wäre nichts für mich. Aber es gibt auch einen anderen Weg. Mußt du denn beide Feiertage Dienst machen, das will mir schon nicht eingehen daß du da nicht mehr da bist und schon wieder Dienst machen mußt. Nun jetzt wollen wir uns auf jeden Fall aufs Wiedersehen freuen. Kann man keinen bezahlten Urlaub bekommen ich zahle jeden Preis, du wirst denken jetzt bin ich übergeschnappt, denn beim Militär gibt es so was nicht. Spüre heute den Wind sehr stark. Erzähle dem Peterl schon immer, daß du kommst. Schreibe mir auch genau, wenn du kommst. Je eher, desto lieber. Im Geschäft ist alles beim Alten sehr ruhig im großen Ganzen. Ich bin heut sehr müde & kann nicht mehr lange aufbleiben. War heute Vorm. Bei Brüg. & Hunius.

Herr Beck ist auch noch da, warum ich solange nicht gekommen bin er hätte bald ohne Auftrag Ware geschickt. Rosa hat heute schon gute Plätzchen gebacken, die warten auf dich. Also auf recht baldiges gesundes Wiedersehen freut sich deine dich liebende Luise.

Werde jetzt von unserem Wiedersehen träumen. Schau halt ob du nicht doch noch einen längeren Urlaub erbitten kannst ich muß dich doch haben.

Lieber Gustl. Habe heute Nacht durch den Sturm nicht schlafen können auch ist was eingetroffen bin froh hat sich wahrscheinlich durch d. Einnehmen verfrüht eingetroffen. Bin aber froh, dann bin ich besser beisammen, wenn du da bist. Nun ist es mir doch lieber, daß ich am Sonntag nicht reisen muß, obwohl ich Dich gerne besucht hätte. Also bis auf baldiges Wiedersehen freut sich Deine Luise.

Ich finde das Eintreffen des „Etwas“ ja so süß, dass ich hoffe, dass man es ohne weitere Erklärung verstehen kann; oder es sich jetzt durch meinen Hinweis erklärt hat.


Oberm. Samst. 11 Uhr 40 [24.03]

Liebster Gustl!

Herzlichen Dank für deinen lb. Brief welcher mich richtig gefreut hat. inzwischen wirst du auch von mir einen bekommen haben. Eben habe ich Peter gefragt, was du ihm bringen sollst, dann hat er gesagt einen Osterhas, denn gestern hat ihn Rosa & Otti in die Stadt mitgenommen & da hat er einen gesehen, der mit den Kopf nicht, aber nur einen kleinen sagt er, den großen fürchtet er.

Luise mit dem Peterle und dem Osterhasen

Aber ich habe schon einen für ihn besorgt man bekommt ja fast nichts, Eierl oder sowas bekommt man nirgends, Nun irgend etwas zum spielen für Sand oder so etwas, das ist ja gleich und für Otti ein Buch sonst wüßte ich nichts. Die Hauptsache ist, daß du selbst kommst, das ist das schönste Geschenk, das es für mich gibt. Leider hat gestern Anni angerufen daß Konrad keinen Urlaub bekommt nur die Jungen dürfen in Urlaub gehen. es ist halt nicht zu glauben und wird Anni sehr schwer fallen. Hoffentlich kommt bei dir nichts noch dazwischen, da ich mich schon so sehr darauf freue. Habe eben für Konrad ein Paket fertig gemacht & einen Brief dazu geschrieben. Also sonst nichts Neues mehr. Gestern sind endlich die Bestellscheine für Schuhwaren gekommen. Das Geschäft ist immer gleich ruhig, deine Mutter hat bis jetzt noch nichts höhren lassen. Also liebster Gustl alles andere mündlich und ich werde bestimmt gut beisammen sein, bis du kommst. Eben kommt Otti mit seinen Noten, sie sind befriedigend. Heute war der letzte Schultag und er hat bis 28. III. Ferien. Als nun freut sich alles auf dein Kommen ganz besonders was nicht zu beschreiben ist aber ich. Auf Wiedersehen 1000 Küsse Deine dichliebende Luise

Obermenzing Montag 9 Uhr Vorm [18. 03]

Liebster Gustl!

Vor allem zu deinem Geburtstag wünsche ich dir alles Gute und haben nur den einen sehnlichsten Wunsch, daß du so bald als möglich für immer ganz bei mir sein kannst.

Wenn du die Karte bekommst, wirst du wohl bald fahren dürfen und ich bin schon ganz auf dein Kommen eingestellt. Es ist nun doch gut, daß ich gestern nicht reisen mußte, denn ich war sehr schlecht beisammen. Hatte den ganzen Tag Magenschmerzen und mit dem Darm war es nicht in Ordnung. Deine Mutter war auch da am Nachmittag und abends Frau Pfeiffer, da Herr Pfeiffer Sanitätswache hatte. Anni war nicht da, da Marianne krank ist. Von Konrad ist auch eine Karte gekommen und vielleicht bekommt er doch Urlaub. War dann froh als die beiden Frauen gingen & konnte dann um 7 Uhr ins Bett gehen. Habe dann mit Olbasöl eingerieben & hat mir tatsächlich für die Schmerzen nebst Heizkissen geholfen. Bin heute wieder aufgestanden, geht mir besser bin nur sehr schwindlich & habe starken Durchfall. Aber bis du kommst bin ich hoffentlich wieder gesund. Heute ist ganz schlechtes Wetter & wenn ich denke, daß du bei jeder Witterung so draußen sein mußt, dann tut es mir so leid. Also sei recht herzlich gegrüßt & geküßt & komme auf schnellstem Wege zu deiner Luise


[Postkarte]
An Frau Luise Weidemann München-Obermenzing Oberprillerstr. 72
Absender: Schütze Aug. Weidemann Landesschützenkomp. 44/VII St. Georgen bei Traunstein i. Oberbayern

St. Georgen, den 23. III.40.
8h abends

Liebes Luiserl!

Da ich gerade bei der Wache Zeit habe sende ich Dir einige Zeilen, aber leider habe ich nur eine Postkarte zur Verfügung. Bin gut und pünktlich angekommen und schon wieder eingereiht in den Alltag unseres Wachdienstes. Bei meiner Ankunft erwartete mich eine Karte von Familie Neugebauer-Swoboda mit Geburtstagsgrüßen. Sonst nichts Neues. Der heutige Tag ist etwas bitter, aber es geht halt leider nicht anders, es muß halt sein. Ich bin noch ganz bei Euch im Gedanken und gedenke der schönen Stunden,. Mein Hendl habe ich noch nicht verzehrt, aber es wird nicht mehr lange da sein. Wenn ich Zeit finde, folgt ein Brieflein. Hoffentlich hast Du die Trennung nicht zu schwer genommen & geht es Dir gut. Gebe heute Nacht, wenn ich meine Patrullie mache, die Karte auf und hoffe, daß dieselbe morgen früh mit der Post fortkommt. Herzliche Grüße & Küsse Dein Gustl.

Da hier auch noch Platz ist will ich denselben ausnutzen und Dir noch mitteilen, daß es wirklich noch gegangen wäre, wenn ich noch einen Tag Urlaub bekommen hätte, denn es sind genügend Leute da, um Wache zu stehen. Aber nun ist es schon so und inzwischen wären die paar Stunden auch schon vorüber. Ich hoffe, daß wir uns diesesmal früher sehen. Morgen nachmittag habe ich frei und werde einen Abstecher nach Altenmarkt machen. Nochmals herzliche Grüße Dein Gustl.


Ostermontag 10 Uhr Morgens [25.03.]

Liebster Gustl!

Damit du nicht so lange auf einen Brief von mir warten mußt, will ich gleich heute noch schreiben. Es ist herrliches Osterwetter. Aber man ist so traurig dabei, denn es könnte doch so ganz anders sein. War gestern mit Anni im Kino Opernball in München, hatte mir mehr erwartet von dem Stück, es war ja ganz nett, aber nicht hervorragend. Vielleicht macht es auch, daß man das Alleinsein um so mehr spürt und man ist so traurig wenn man sieht, daß andere Frauen ihre Männer bei sich haben. Freue mich schon auf nächsten Sonntag & hoffe daß es bestimmt etwas wird mit dem Wiedersehen. Herr V. war noch nicht da. Deine Mutter hat gestern angerufen, daß sie von Willi einen Brief bekommen hat. Er liege schon seit 7 Wochen im Lazarett schwere Bronchitis. Er wartet auf seine Entlassung oder Urlaub. Sie geht glaube ich als gestern zu Liesl und will mich heute anrufen, muß sie halt für heute wieder einladen. Er hat ihr einen Brief für dich mitgeschickt, den sie dir schicken wird.

Ich habe diese zwei Fotos von Willi im Lazarett und dachte immer, die wären aus dem 1. Weltkrieg, vor allem, weil aus seiner Kriegsrolle ersichtlich ist, dass er im Winter 1917/18 mehrere Wochen in verschiedenen Lazaretten untergebracht war.

Das ist kein junger 20-jähriger Willi, diese Bilder sind aus dieser Zeit.

Aber weiter mit Luises Brief:

Herr Volz ist gestern in der Früh in das Pasinger Krankenhaus eingeliefert worden. Seine Gedanken sind nicht mehr recht beisammen & für die Frau ist das schrecklich.

Bald nachdem du fort warst, hat mich Frau Mack angerufen, sie war der Meinung du seist noch da. Sie erzählte mir, daß Ihr Mann ihr einen Eilbrief geschrieben in dem ihr Mann & du sich zum Nachrichtendienst nach München gemeldet hättest. Warum hast du mir nichts davon erzählt oder wolltest du mich überraschen?

Es wäre ja sehr schön, wenn du nach München versetzt werden könntest, aber .. wenn es für dich ein Nachteil ist, denn lieber nicht. Ist das nicht gefährlich? Das ist doch wo die Drähte wieder richten müssen wie ich schon gesehen von Baum zu Baum daherhangeln, auch habe ich gehört, die müßten in die vorderste Linie, wenn die Drähte abgeschossen & die Verbindung wiederhergestellt werden muß. Oder ist es Innendienst? Schreibe mir nur gleich, sonst bin ich sehr beunruhigt. Frau Mack hat es gut gemeint, denn sie würde sich sehr freuen, wenn ihr Mann nach München käm. Sie hat mich eingeladen, sie zu besuchen. Nun ich werde dich ja bald wieder sehen, dann können wir mündlich darüber sprechen. Eben hat Frau Holz mit Mama gesprochen. Sie würde Ihren Mann gern besuchen, wenn jemand sie begleiten könnte, nun wollen wir Lürtzing mitschicken. Gestern hat Otti wieder verschiedene Aufnahmen gemacht und wenn die Bildchen fertig sind, werde ich sie schicken, oder gleich selber bringen. So sehr ich mich sonst auf Feiertage freue, so arg ist es mir jetzt. Da sind einem die Wochentage lieber, da hat man keine Zeit zum Nachdenken. Peter hat gleich zünftig zugelangt von seinem Nestchen und den Mund so voll gestopft & hätte am liebsten alles auf einmal verzehrt. Was wirst du gerade tun? Otti unterhält sich mit Liselotte. Sonst nicht Neues mehr. In Erwartung auf recht baldiges frohes Wiedersehen grüßt & küßt dich vielmals deine Frau.

Konrad hat uns eine Osterkarte geschickt auch er hofft wie immer auf Sieg & baldigen Frieden. Freue mich schon wieder auf einen Brief von dir. Eben hat Herr V. angerufen, daß er mit seiner Frau Nachmittag kommt & ob ich zu Hause bin, Nun es bleibt mir schon nichts anderes übrig, es wär mir halt lieber, wenn deine Mutter nicht käme, denn sie redet mir zu viel, wenn sie mit Herrn V. zusammen kommt, vielleicht geht sie mit Peter inzwischen spazieren.

Wenn nur der Besuch schon wieder vorbei wäre, werde dir berichten. Wollte eigentlich mit den Kindern fort, aber nun geht es nicht.


Obermenzing den 28. III 40
5 Uhr nachm.

Liebster Gustl!

Heute Morgen deinen lb. Brief erhalten. War im Vormittag mit Otti in der Stadt, da er noch bis Montag Ferien hat, habe ich ihn mitgenommen. Habe deinen lb. Brief am Weg gelesen. Leider hat mich der Inhalt nicht ganz befriedigt, da ich daraus lese, daß es am Sonntag mit unserem Wiedersehen noch nichts wird & ich hatte mich ja schon so sehr darauf gefreut. Nun ich hoffe daß es doch bald sein wird, daß wir uns treffen, vielleicht unter der Woche. Nun ist es wieder ziemlich kalt geworden & wird für dich nicht angenehm sein. Unserem Besuch scheint es bei uns sehr gut gefallen zu haben, das nähere werde ich dir mündlich darüber mitteilen. Ich denke, daß du wohl dabei sein wirst bei der Versetzung nach Traunstein, wenn es stimmt was V. gesagt, daß er sich seine Leute aussuchen kann. Hoffe daß du bald 8 Tage Urlaub bekommst, denn mit den Schuhbestellungen wäre deine Anwesenheit unbedingt notwendig. Habe erst heute von anderer Seite gehört, daß Geschäftsleute öfters Urlaub bekommen sollen um Ihre geschäftl. Angelegenheiten zu regeln. Nun wir wollen sehen, ob es auch stimmt. Herr Volz ist sehr schlecht beisammen. Deine Mutter war die Feiertage nicht mehr da & es war gut so, denn wie gesagt, der Besuch nun ja du weißt ja. Würde dir gern mehr darüber schreiben, finde jedoch eine mündliche Aussprache richtiger. Heute hat deine Mutter angerufen, daß sie bei Liesl war sie sagt sie hätte ihr schon gesagt, daß Willi im Lazarett wäre, ich war aber noch nicht da. Peter ist ein solcher Lausejunge. Er hat eine neue Untugend, er steckt alles in die Nase. Neulich ein Steinchen, eben eine Klammer. Man kann gar nicht genug aufpassen & wenn man sagt, daß er das nicht tun darf, sagt er das darf ich schon tun. Habe ihm heute eine Sandmühle aus Holz gekauft, aber er bekommt sie noch nicht. Das Geschäft wird alle Tage schlechter, das sind keine Einnahmen mehr & ich kann unter der Woche leicht einmal zu dir hinfahren. Meine Sehnsucht ist fast immer groß nach dir & hat mich schon sehr gereut, daß ich nicht schon Ostern wieder bei dir war. Hoffe bestimmt, daß wir uns nächste Woche treffen, dann alles andere mündlich. Rosa hatten wir auf Ostern heimfahren lassen, da ihr Bruder, den sie schon 5 Jahre nicht mehr gesehen vom Feld heimkommen sollte. Einstweilen bekam er keinen Urlaub, da er für einen Kameraden einspringen mußte, das war ihr schon arg. Ihr Vater ist vom Krankenhaus heimgekommen & wird wohl nicht mehr werden. So ist überall ein anderes Leid. In Regensburg, wo sie war ist vor 8 Tagen eine Hellseherin gestorben & die sagte 30 Tage nach ihrem Tod sei der Krieg zu Ende & dann 10 Tage darauf finden große Siegesfeiern statt. Wieder einmal eine Frist, worauf man warten das wäre dann so ungefähr zum Geburtst. d. Führers, was ich schon mal gehört habe. Es ist schrecklich & nur schwache Hoffnung sich an so was zu klammern, denn in der Lage hat sich wieder nichts geändert. Eben hat mir Peter ein Bussi für dich geschenkt und schreib blos bissi sagt er. Wenn ich nur schon wieder bei dir wäre. War heute bei Fr. Brügelmann & Frau Lenze & Frau Bruder. Auch hat es geschneit. Hoffentlich wird es bald wieder wärmer. Nun weiß ich nichts Neues mehr, als daß ich bald auf einen lieben Brief von dir erwarte indem ich ersehe, wenn wir uns treffen, sonst habe ich keine Wünsche. In Liebe Deine Luise.

Anbei einige Bildchen, die anderen bekommen wir erst. Auf Wiedersehen Vielleicht kommst du selbst wieder.

Also schreibe oder telefoniere wenn ich zu dir kommen kann. Viele tausend Küsse von mir.

Mir ist es lieber wenn du dort bist.

Habe v. d. Poliz. einen Brief bekommen, daß Peter in der Impfkartei nicht eingetragen ist.

Kann den Impfschein nicht finden, auch unser Ehebuch finde ich nicht, obwohl ich es erst kurz einmal in Händen hatte. Es hat 10 Tage Zeit & hoffe, daß ich es inzwischen finde. Oder weißt du wo es ist?

Habe beide Schreibschränke schon durchsucht & nichts gefunden.


Obermenzing 30. III. 40

Liebster Gustl!

Heute Samstag Vormittag deinen ersehnten Brief erhalten. Nun will ich schnell, bevor ich nach Unterm. gehe, einige Zeilen schreiben. Es ist ½ 1 Uhr & eben Nachrichten, jedoch nichts Neues. Eben fängt es zu schneien an. Habe bis heute immer noch gehofft daß ich dich doch besuchen könnte. Nun ist es leider nichts geworden, aber nächste Woche hoffe ich bestimmt. Meinen Brief v. Donnerstag wirst du inzwischen wohl bekommen haben. Deine Briefe beantworte ich meistens gleich & mir geht es ebenso ich möchte ständig Post von dir bekommen. Ist es doch die einzige Freude, die man in der traurigen Zeit hat. Von den Versprechungen halte ich ebenfalls nicht viel von Besuch meine ich. Sind jetzt aus 8 Tagen schon 5 geworden & die glaube ich nur ein Versprechen. Nun wollen wir abwarten. Ich kann es kaum mehr erwarten, bis ich dich wiedersehe. Diese kommende Woche muß es bestimmt etwas werden. Frau Monk hat heute schon 2 x angerufen, sie hat schon einige Tage keine Post bekommen und dachte sie könnte von mir etwas erfahren. Sie will mich demnächst mit Ihren 2 Kindern besuchen, sie hat etwas am Herzen. Sie ist auch sehr besorgt um ihren Mann, da er so ernst geworden sei. Wunder ist es ja keins, jedoch ich glaube, daß er immer etwas eigen ist. Herrn Volz geht es nimmer besser, er ißt nichts mehr & wird wohl nicht mehr lange dauern. Herr Simon war noch nicht da, nur seine Frau hat geschrieben und auch will nächste Woche kommen.

Die Leute möchten schon alle Schuhe die frei sind. Aber wo her nehmen? Vertreter lassen sich bis jetzt nicht sehen. Frau Ortner hat geschrieben, ich denke da muß ich einmal hingehen. Weißt du nicht was ich unternehmen könnte, damit du länger Urlaub bekommst? Das Hochzeitsbuch habe ich gefunden, jedoch nur mit Impfschein von Otti, hast du eine Ahnung wo ich suchen soll? Sonst nichts neues mehr. Morgen Sonntag denke ich wird deine Mutter zu uns kommen und wird uns einen Roman von Willi erzählen. Hast du übrigens einen Brief von Willi den deine Mutter dir schicken wollte bekommen? Werde Morgen dir einige Illustr. Zeitungen schicken. Wann werden wir uns treffen können? Habe immer auf telefonischen Anruf gerechnet. Also nächste Woche. Marianne ist nun in die Schule gekommen. So vergeht die Zeit. Anbei wieder einige Aufnahmen. Freue mich schon so sehr aufs Wiedersehen in Traunstein, daß es nicht zu sagen ist. Nun wird es Zeit ins Geschäft zu gehen, wird nicht viel sein, noch dazu bei dem Wetter. Gestern 12 Kunden in Oberm. 29 in U.M. Also auf recht baldiges Wiedersehen freut sich deine dich liebende Luise.

Schreibe mir bitte, wenn du eine Ahnung w. Peters Impfschein hast.


Sonntag Vorm. [31.03]

Liebster Gustl!

Habe gestern einen Brief abgeschickt. Heute Sonntag bin ich wieder traurig, da ich nicht bei dir sein kann. Hoffe bestimmt am Sonntag oder vielleicht schon früher, daß wir uns treffen können. Heute Nacht ist Herr Volz gestorben. Es ist arg für die Frau. Wir nehmen uns an um sie, da sie doch so allein ist. Opa muß jetzt ein Telegramm an ihren Sohn aufgeben. Die Beerdigung wird wohl am Mittwoch sein. Hoffentlich kann er kommen. Sollen wir uns in Verbindung mit Ihrem Sohn betreff das Hauses setzen? Reden können wir ja einmal mit ihm. Das Nähere werden wir dann schon erfahren, denn die Frau kann auf die Dauer nicht allein bleiben. Also sonst nichts Neues mehr. Nun muß ich schließen & grüße & küsse dich deine Luise.

Auf Wiedersehen!


Obermenz. 1. April 40.

Liebster Gustl!

Nun will ich dir einige Zeilen schreiben. Wie ich dir schon mitgeteilt ist Herr Volz gestorben. Nun ist sein Sohn z. Zt. da. Eigentlich hatte ich den Plan gefaßt morgen Dienstag zu dir hinzufahren & sehen ob du nicht Urlaub bekämst. Ich hätte nach dem Lager Empfing gefragt & denke, daß ich es schon gefunden hätte. Die Sache ist nämlich die Herr Volz hatte uns um Rat gefragt, was er mit dem Haus machen solle. Opa hat ihm den Rat gegeben das Haus zu verkaufen, denn Frau Volz kann auf die Dauer nicht allein im Haus bleiben. Opa sagt daß wir es evt. kaufen würden & daß Herr Volz 12000 verlangt hätte daß uns jedoch zu viel sei. Nun will er heute wegen Einkauf in ein Altersheim für seine Mutter schauen & werde ich morgen schon Bescheid bekommen. Ich glaube er hat 10000 geboten der Opa bei sofortiger Bezahlung. Das Feld glaube ich könnte er notwendig gebrauchen. Er hat ein furchtbar trauriges Los. Er hat seine ganze Möbel in Saarbrücken, auch ein Auto um 3000 das er kurz zuvor noch kaufte. Seine Frau ist in einem Krankenhaus untergebracht und er versorgt seine beiden Kinder, hat ein paar alte Möbelstücke bekommen und muß so hausen und kochen für seine Kinder & dort hat er eine schöne elegante Wohnung. Es ist wirklich ein trauriges Los, er sieht sehr schlecht aus ganz grau & mager ist er & die Kosten sind immer für seine Frau. Flüchtlingsschicksal ist grausam. Wir nehmen uns schon so gut es geht um Volz an. Die Feuerbestattung findet um 9 30 Mittwoch statt. Hernach wird Herr Volz wieder abreisen & ich denke, wenn es mit dem Haus was wird, müßtest du dich schriftlich mit ihm ins Benehmen setzen. Ich weiß auch nicht, ob du wohl mit mir mitfahren hättest dürfen, schade daß ich am Sonntag noch nichts gewußt habe. Es kann ja sein, daß ihm 10000 etwas zu wenig sind. Ich weiß auch immer noch nicht ob z. Zt. überhaupt etwas verbrieft wird. Vielleicht könntest du mich anrufen, wenn du diesen Brief erhältst. Auf jeden Fall komme ich am Samst. nach Traunstein, wenn du nicht kommen kannst. Mündlich kann man halt alles viel besser erledigen & daß du Urlaub bekommst, das erledigen wir nach unserem Wiedersehen außer du kannst es jetzt fertigbringen.

Herzl. Gruß Luise


St. Georgen, den 1. April 1940.

Mein allerliebstes Luiserl!

Anschließend an meinen gestrigen Anruf möchte ich Dir noch einige Zeilen schreiben. Leider sind wir gestern so überraschend schnell getrennt worden. Ich hätte Dir noch vieles sagen mögen, aber leider war’s zu kurz. es ist halt leider nichts mit dem Wiedersehen für diesesmal geworden, aber ich hoffe, daß es für kommenden Sonntag bestimmt etwas wird. Eben bin ich noch auf Wache und in 2 Stunden geht es zuerst ins Lager und dann nach Traunstein. Alles muß zu Fuß gehen, aber voraussichtlich dürfen die Radbesitzer mit dem Rad fahren. Anbei übersende ich Dir den Brief von Willi, scheinbar ist er ganz gut beisammen, denn sein Schreiben ist ganz „Willi“ wie er immer war. Wegen dem Impfschein von Peter schau doch einmal in die Schreibmappe die im Schreibschrank liegt oder oben im Schlafzimmer haben wir doch verschiedene Behälter, wo er eventuell sein kann. Anderen Falles schreibe oder rufe die Stelle an, die den Schein verlangen und teile Ihnen mit, daß ich eingezogen bin und die amtlichen Sachen aufbewahrt habe und bei eventuellen Urlaub die Sachen suche. Mack ist inzwischen schon versetzt und von mir war keine Rede und ich glaube, daß V. etwas gemacht hat, denn da stimmt etwas nicht.

Er ist des öfteren zu mir gekommen und hat mir immer Angst gemacht, daß ich da in 14 Tagen im Feld bin und daß ich da ganz was Dummes gemacht habe. Er habe Dir nichts davon gesagt, daß das so gefährlich sei, aber mir muß er es sagen. Ich war schon der Meinung, daß Du ihn darum ersucht hattest, aber ich glaube es ist Ihm darum zu tun, daß er eine Quelle hat, nur Eigennutz schaut heraus. Nun mir ist es ja sonst auch lieber, vorerst hier zu sein, denn ungewiss ist es immer, wo man später hinkommt, wenn man zu einem neuen Truppenteil kommt. Aber München hat mich halt gelockt aus ganz verschiedenen Gründen. Vor allen Dingen, bei Dir sein zu können und noch verschiedenes Andere, das ich Dir mündlich sagen werde. Vielleicht ist es heute so, was Mack anbetrifft, muß ich sagen, daß er ganz komisch ist, aber er war sonst sehr gutmütig, nur die erste Zeit war er sehr zurückhaltend. Ihm geht es halt auch zu Gemüte. Trotz der Trennung, die uns getroffen hat und die mir immer am Herzen liegt, bin ich diesesmal viel ruhiger und auch guten Mutes, denn ich habe immer Hoffnung, daß es bald ein Ende nimmt und dann können wir uns unseres Daseins wieder freuen. Die Aufnahmen haben mir diesesmal eine ganz besondere Freude gemacht. Du bist schön darauf und ich muß Dich immer wieder anschauen, auch glaube ich, daß Du wieder gesünder bist und das stimmt mich am meisten froh. Das schlimme, dieser Krieg, meinte man am Anfang, ist nicht zu ertragen und allmählich gewöhnt man sich daran und man stumpft ab und es wird einem alles Wurst. Ich muß nun zusammen packen und es wird jetzt allmählich ernst mit dem umziehen.

Sei nun recht herzlich gegrüßt und recht innige Busserln von Deinem Gustl.

Viele Grüße an alle
Jetzt sehe ich gerade, daß ich Willi seinen Brief nicht dabei habe, derselbe folgt

Gruß Gustl

Obermenzing
Mittwoch ½ 10 Uhr
Vormittags.

Liebster Gustl!

Habe gestern deinen lb. Brief erhalten welcher mich sehr gefreut hat. Habe gestern einen Brief an dich abgesandt. War in der Stadt bei Fa. Hunius und anschließend bei Fa. Ortner. habe Sandalen, Hausschuhe Kinderschuhe & verschiedene Schuhe mit neuen Bestellscheinen gekauft, denn ich kann nicht warten, bis Vertreter von anderen Firmen kommen, da eine Neuvergebung ab 6. April herauskommt für Sandalen und Sommerschuhe und da muß ich Ware da haben. Auch können die Schuhe sofort geliefert werden. Wenn nur das Auszeichnen nicht wär. Es sind glaube ich ca. 500 paar allesin allem. Simon war auch da, ich glaube ich habe es dir schon mitgeteilt. Nun habe ich nur noch wenige Bestellscheine über. Kinderschuhe in Größen 18 – 24 habe ich auch bestellt, denn es ist die größte Nachfrage & dafür hat man das 8fache an Bestellsch. bekommen & gehen auf Leinensch. & Sand. wo wir 360 paar hatten, dann geht es schon. Alle Leute möchten halt die Bezugscheine hier mit Holzsohlen und in diesem Artikel hat niemand etwas lagernd. Ortner meint daß der Krieg immer noch bis Herbst dauert, andere 4 Wochen, wieder jemand 6 Jahre. Es ist ganz konfus was da geredet wird, wie immer. Ich jedoch hoffe immer noch auf ein schnelles Ende. Opa ist mit Herrn Volz in die Feuerbestattung gefahren, die Frau haben sie nicht mitgenommen & ist besser so. Morgen wird er wieder abreisen. Auch sonst weiß ich nicht was jetzt wird. Alles andere mündlich. Habe Maria in ihrer Sonderausbildung fragen lassen, wegen Urlaub für dich, doch die können keinen Bescheid geben, oder sie hat nicht gefragt. Im Allgemeinen ist es halt so, daß du selbst bei deinem Obersten eingeben mußt, denn die anderen Stellen gelten alle nichts. Das sagt jetzt auch Herr Lanzenberger, der bekommt jetzt immer 1 Stunde frei, weil seine Frau das Autofahren lernt. Ob ich wohl Erfolg gehabt hätte, wenn ich gekommen wäre? Hast du da die gleichen Vorgesetzten wie in St. Georgen? Auch auf der Polizei bin ich gewesen, wegen Impfschein, muß halt ein Dublikat herbringen, denn ich kann ihn nicht finden. Hatte gestern wieder geträumt, daß du bei mit warst und es war wundervoll & hoffe ich, daß es bald der Fall sein wird in Wirklichkeit. Schreibe auch, wo das Lager Empfing ist, damit wenn es einmal der Fall sein soll, daß ich es gleich finde. Weißt du immer noch nicht wie es ist Samstag oder Sonntag? Als ich hoffe auf baldigen guten Bescheid, daß wir uns treffen. Herr Schramm ist auch gestoben oder habe ich es schon geschrieben. Wie wird es dir dort ergehen. Hoffentlich mußt du nicht allzu viel exerzieren. Also nun aber Schluß in der Hoffnung nun mehr mündlich mit dir alles zu besprechen, was mir am Herzen liegt. Also sei recht herzlich gegrüßt & geküßt

von deiner Luise.

Sonst ist alles in Ordnung, nur Peter macht ab & zu wieder ins Höschen. Sehne mich schon sehr nach dir. Schau halt ob du nicht doch gleich auf 8 Tage Urlaub bekommst. V soll endlich sein Versprechen einlösen & dir dabei behilflich sein. Sonst –
Also wünsche dir viel Glück zu deinem Versuch; sonst muß ich halt mit 1 Tag zufrieden sein. Auf Wiedersehen

Deine Luise

Hoffe daß dein Katharr inzwischen ganz vergangen ist. 3 Tage noch bis aufs Wiedersehen. Sommerszeit haben wir schon eingewöhnt, gestern nachmittag war es so schön, daß man im Garten sitzen konnte.

Grüße von Alle.

Das könnte diese Gelegenheit gewesen sein, man genießt die ersten wärmenden Sonnenstrahlen, aber um Tisch und Stühle rauszustellen, ist es doch noch zu früh.

Wenige Tage später ist Gustl nicht mehr in St. Georgen, sondern in Traunstein und dort im Lazarett. Das gibt mir die Gelegenheit, einen Schnitt zu machen und diesen Teil ihrer Briefe in die Welt zu schicken.

Diese Etappe gibt es dann hier: Gustls und Luises Briefe – 3. Etappe Traunstein

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