Ich bin vielleicht vier oder fünf Jahre alt. Im Café vom Pflanzenschauhaus im Mannheimer Luisenpark (also Jahrzehnte weit weg von der kindlichen Münchner Realität) sitzen sie alle beisammen, die Verwandtschaft vermutlich. Mir wird langweilig und ich gehe raus und setze mich neben den Teich am Eingang. Überall blüht es in allen Farben, der große Teich ein paar Meter weiter ist bedeckt mit Seerosen, die Flamingos staken durchs Wasser, aber in und an diesem Teich ist kein Grün, das nackte Wasser ist in graue Steinplatten gefasst, auf die setze ich mich. Urplötzlich schießt mit großem Geplatsche ein furchterregendes, tief dunkelgrünes Krokodil mit weit aufgerissenem Maul aus der Mitte des Wassers. Es ist nur ein kurzer Schreck der Überraschung, das Krokodil selbst macht mir keine Angst, und es verwandelt sich auch prompt in eine Kasperle-Theaterfigur, aus Papier gefaltet mit einem Körper aus karierten Zickzack-Schnüren. In diesem Moment rutsche ich aus mir Kind heraus, stehe plötzlich als Erwachsene ein paar Meter weit weg auf der anderen Seite des Weges und beobachte diese Szene. Eine kleine Steffi in einem hellrosa Mäntelchen mit großen Perlmuttknöpfen steht da, in ein ernsthaftes Gespräch mit einem uralten Krokodil vertieft, ich bin tief gerührt von diesem Kind.

